Überfall auf Zeebrugge

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    (23.4.1918)

    Obwohl die deutschen U-Boot-Operationen 1918 eingeschränkt worden waren, bildeten sie weiterhin eine ernsthafte Bedrohung für den alliierten Schiffsverkehr, besonders im Ärmelkanal. Viele der feindlichen Unterseeboote waren in den belgischen Häfen Zeebrugge und Ostende stationiert, die beide eine Kanalverbindung zum Binnenhafen von Brügge besaßen, wo weitere U-Boote und Zerstörer ankerten. Die Zerstörung dieser Stützpunkte war schon oft von der Admiralität in Betracht gezogen worden, aber aktives Handeln wurde nicht zugelassen bis zur Ausarbeitung eines Blockadeplans durch Vizeadmiral Sir Roger Keyes. Etwa 75 Schiffe unter Keyes' Befehl nahmen an dem in den Morgenstunden des 23.4.1918 begonnenen Angriff teil.

    Ein Ablenkungsschlag wurde gegen den etwa eineinhalb km langen Hafendamm Zeebrugges ausgeführt; rund 200 Marinesoldaten landeten dort mit dem alten Kreuzer Vindictive. Sie sollten deutsche Kanonenstellungen zerstören und Schießanlagen in die Luft sprengen, gerieten jedoch umgehend unter schweren Beschuss, der ihnen die Durchführung auch nur einer einzigen Zielsetzung unmöglich machte. Die Brücke, die den Damm mit dem Festland verband, wurde durch ein mit Sprengsätzen bestücktes altes Unterseeboot zerstört.

    Zur selben Zeit wurden drei veraltete, mit Beton gefüllte Kreuzer - Thetis, Intrepid und Iphigenia - unter massivem deutschen Feuer in den Binnenhafen geschafft. Thetis erreichte den Kanalzugang nicht - sie musste vorzeitig versenkt werden, da sie eine Sperre gerammt hatte -, die beiden anderen Schiffe wurden jedoch an der engsten Stelle des Kanals versenkt. Allerdings waren sie nicht exakt positioniert worden und konnten die Durchfahrt nicht vollständig blockieren. U-Boote und Kleine Zerstörer konnten weiterhin passieren.

    Die Vindictive und die anderen Schiffe zogen sich daraufhin zurück, um die Operation zu einem Ende zu bringen. Es gab fast 200 britische Gefallene und viele Verwundete. Der Überfall auf Zeebrugge wurde für seine zahlreichen Beispiele von Heldentaten Einzelner bekannt, von denen acht mit dem Viktoriakreuz ausgezeichnet wurden. Dies führte den dringend benötigten Aufschwung der Truppenmoral herbei, obwohl die Aktion selbst bestenfalls als Teilerfolg verbucht werden konnte.

    Der zeitgleich stattfindende Überfall auf Ostende war ein völliger Misserfolg, da die beiden Blockadeschiffe nicht einmal die Hafeneinfahrt erreichten. Ein weiterer Versuch der Sperrung des Kanals von Ostende wurde am 9.5. unternommen. Er blieb ebenfalls erfolglos, da das Blockadeschiff in dichtem Nebel auf Grund lief.


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