Antwerpen, Belagerung von

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    (28.9.-9.10.1914)

    Englische Infanterie vor Antwerpen in Erwartung des Angriffs

    Als die Deutschen nach dem Fall von Liège nach Brüssel vorrückten, zog sich die belgische Armee - rund 65 000 Mann - unter dem Kommando König Alberts in den Hafen von Antwerpen, einer riesigen Festung, zurück, wo bereits eine Garnison mit rund 80 000 Mann stationiert war. In dieser Position stellte die Feldarmee eine ständige Bedrohung der deutschen Kommunikationswege dar; dies zeigte sich bei einem Angriff am 24.8. auf die Rückseite des rechten Flügels des Gegners. Folgenreicher war jedoch der Ausfall am 9.9. - dem kritischen Tag der Schlacht an der Marne -, der den Deutschen die Bedeutung der Besetzung Antwerpens und der Kontrolle über die Häfen des Ärmelkanals vor Augen führte. General Hans von Beseler, der Kommandeur der Operation, verfügte über 173 schwere Geschütze, aber lediglich fünf Divisionen, als die Bombardierung am 28.9. einsetzte. Die äußeren Festungsteile wurden nacheinander durch die schlagkräftige deutsche Artillerie zerstört, die langsam zum Stadtkern vorrückte.

    Die alliierte Sorge über die geringen Verteidigungskapazitäten der Kanalhäfen führte zum Einschreiten der Briten; Winston Churchill, Erster Lord der Admiralität, hatte sich seit einiger Zeit energisch für eine Intervention ausgesprochen und erhielt nun die Erlaubnis zur Entsendung von drei Marinebrigaden. Diese zahlenmäßig deutlich zu geringe und zudem unzureichend bewaffnete Verstärkung zögerte das Ende zwar hinaus, konnte es jedoch nicht abwenden.

    Aufgrund von Unruhen in der Bevölkerung sah sich König Albert gezwungen, die Evakuierung der Stadt in der Nacht auf den 6.10. in die Wege zu leiten. Die Flucht des belgischen Heers nach Südwesten entlang der flandrischen Küste wurde durch die britischen Truppen unter General Sir Henry Rawlinson gedeckt, die ursprünglich als Ablösung geschickt, aber zu spät eingetroffen waren. Sowohl die belgischen als auch die britischen Truppen konnten einer Gefangenschaft entkommen, nur eine Marinebrigade wurde in Holland interniert. Die Stadt kapitulierte am 9.10.

    Obwohl der Verlust Antwerpens einen schweren Schlag für die Alliierten bedeutete, verlangsamte ihre späte Kapitulation den deutschen Vormarsch auf die Küste. Die britischen Truppen gewannen so Zeit, um von der Aisne aus vorzurücken, während die Belgier sich zur Linken der Front zwischen Dixmunde und der Nordsee einrichten konnten; dies entschied möglicherweise über Sieg oder Niederlage in den späteren Schlachten an der Yser und bei Ypern.


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