Augusterlebnis

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    Inwieweit die Bevölkerung des Deutschen Reichs der Kriegserklärung an Russland am 1.8.1914 Unterstützung entgegenbrachte, ist umstritten - und lässt die Frage entstehen, ob das viel zitierte "Augusterlebnis" eine reine Propagandamaßnahme darstellte.

    Der Begriff bezeichnet die massenhaften Begeisterungsausbrüche zu Kriegsbeginn, darunter den Applaus und Jubel der Anwesenden der Rede von Kaiser Wilhelm II. in Berlin zur allgemeinen Mobilisation (1.8.). Die Bezeichnung wurde von intellektuellen Kreisen verbreitet, die im "Geist von 1914" und dem Krieg als Vater aller Dinge eine Chance sahen, das Deutsche Reich gesellschaftlich wie kulturschaffend neu zu organisieren. In den übrigen Bevölkerungsschichten war die Zustimmung zum Krieg wohl keineswegs so umfassend, wie es die Darstellungen der Ereignisse des August 1914 wiedergeben - obwohl die Regierung bereits seit mehreren Wochen auf die Verantwortung des Deutschen Reichs, sich selbst zu verteidigen, hingewiesen hatte. Zudem gründete die Unterstützung durch die Bevölkerung in der von den Militärs vertretenen Annahme, dass der Krieg rasch und ohne größere Verluste zu gewinnen wäre. Dennoch hatte die Begeisterung einen eher verbissenen Zug: Man würde den Krieg, der ja bereits beschlossen war, gemeinsam zu einem erfolgreichen Ende bringen.

    Auch die politischen Parteien waren nicht einer Meinung, konnten sich aber auf die Errichtung eines Burgfriedens für die Dauer des Kriegs einigen.


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    ... Seit acht Tagen im Schützengraben, einer Ruine, in der bei Regenwetter das Wasser rauscht und alles von Lehm und Dreck starrt und die auch Schutz gegen das furchtbare Granatfeuer gewähren soll. Kleine Menschenarbeit gegen gewaltige Kräfte ... (Fritz Meese)

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