Belagerung von Namur

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    (20.-25.8.1914)

    Die Trümmer eines Sperr-Forts vor Namur geben Zeugnis von der grausigen Wirkung der deutschen Belagerungsgeschütze.
    Westlicher Kriegsschauplatz Anfang September 1914

    Als die deutsche 1., 2. und 3. Armee durch Belgien auf die französische Grenze zurollte, bot die belgische Armee wenig Widerstand - abgesehen von der angeblich unbezwingbaren Festung von Namur. Bülows 2. Armee erreichte Namur am 20.8. und ließ sechs Divisionen zur Belagerung dort, während die Hauptstreitkräfte weiter vorrückten, um die französische 5. Armee unter dem Befehl General Lanrezacs an der Sambre zu beschäftigen. 100 000 deutschen Soldaten und 500 Geschützen stand eine belgische Garnison von nur 37 000 Mann der 14. Division unter dem Kommando von General Michel gegenüber. Obwohl die Verteidiger durch den Abzug des Hauptteils der belgischen Armee nach Antwerpen weiter reduziert worden waren, erwartete man, dass die Stadt mehrere Wochen, vielleicht sogar Monate widerstehen konnte, da sie von zehn Festungen umgeben und durch Minenfelder und Gräben zusätzlich gesichert war.

    Die Ereignisse bewiesen schnell das Gegenteil: Am ersten Tag gingen bereits fünf Festungen verloren und die Belgier wurden in einer erbitterten Schlacht zurückgedrängt. Hohe Verluste entstanden während des anhaltenden Bombardements der schweren Artillerie, zu der die "Dicke Bertha" genannten Mörser zählten, die bereits bei Liège eingesetzt worden waren; die übrigen Festungen mussten am 25.8. kapitulieren. Insgesamt 50 000 Soldaten gerieten in Kriegsgefangenschaft, als der "Große Grenzstein" in deutsche Hände überging. Lanrezac war bereits zwei Tage zuvor besiegt worden und der Fall von Namur machte klar, dass die Alliierten keine stabile Verteidigungsstellung gegen den massiven deutschen Angriff besaßen, bis dieser die Marne erreichte.


    Bildergalerie: Rumänischer Feldzug

    > Weitere Galerien

    Briefe gefallener Studenten

    November 1914.

    ... Seit acht Tagen im Schützengraben, einer Ruine, in der bei Regenwetter das Wasser rauscht und alles von Lehm und Dreck starrt und die auch Schutz gegen das furchtbare Granatfeuer gewähren soll. Kleine Menschenarbeit gegen gewaltige Kräfte ... (Fritz Meese)

    > Weitere Briefe