Burgfriede

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    In den mittelalterlichen Burgen gab es einen Raum, der ausschließlich friedlichen Zusammentreffen gewidmet war. Die Bezeichnung wurde in der Politik auf die einigende Wirkung durch das Auftreten eines gemeinsamen Feindes übertragen; so reagierten die politischen Parteien des deutschen Reichstags mit ungewohntem Schulterschluss auf die Kriegsgefahr bzw. den Kriegsausbruch. Zum ersten Mal zeigte sich die (fast) ausnahmslose Anerkennung des Burgfriedens bei der Reichstagssitzung vom 4.8.1914, als alle Abgeordneten (bis auf zwei Enthaltungen bei der SPD) die zuvor vor allem von der SPD scharf kritisierten Kriegskredite bewilligten. Dieser Zusammenhalt, den Wilhelm II. mit den Worten "Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche" charakterisierte, dauerte generell bis 1918 an. Einzelne Abgeordnete entzogen sich den Verpflichtungen des Burgfriedens jedoch, als deutlich wurde, dass der Krieg keineswegs so schnell und überlegen zu gewinnen sein würde wie geplant. Karl Liebknecht opponierte gegen den neuen Kriegskredit bereits Anfang Dezember 1914 und warf der SPD den Ausverkauf der eigenen Ziele vor.

    Eine Entsprechung fand der Burgfrieden des Deutschen Reichs in der französischen Union Sacrée.


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    Briefe gefallener Studenten

    November 1914.

    ... Seit acht Tagen im Schützengraben, einer Ruine, in der bei Regenwetter das Wasser rauscht und alles von Lehm und Dreck starrt und die auch Schutz gegen das furchtbare Granatfeuer gewähren soll. Kleine Menschenarbeit gegen gewaltige Kräfte ... (Fritz Meese)

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