Cambrai-St. Quentin-Offensive

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    (27.9.-11.11.1918)

    Der in einen Friedhof zwischen St. Quentin und der Siegfriedstellung eingebaute, gepanzerte englische Beobachtungsstand hat durch seine Leinwandattrappe das Aussehen eines friedlichen Denkmals für Gefallene von 1870/1871.

    Die letzte alliierte Offensive an der Westfront gegen Deutschland, die am 26.9.1918 begann, verfolgte das Ziel, lebenswichtige deutsche Eisenbahnverbindungen und Versorgungszentren zu zerstören. Ein Erfolg sollte dabei helfen, Deutschlands Stellung massiv zu untergraben. Zwei starke, zusammenlaufende Angriffspitzen sowie eine unterstützende Operation in Flandern waren geplant; die französisch-amerikanische Spitze sollte den Angriff einleiten (Meuse-Argonne-Offensive). Zweihundert Meilen westwärts bereiteten sich die Briten, unterstützt von der französischen Linken, darauf vor, Cambrai und St. Quentin anzugreifen. Insgesamt sollten 41 alliierte Divisionen unter dem Kommando Haigs gegen eine vergleichbare Anzahl von deutschen Divisionen vorrücken; dies machte den Angriff zu einer größeren Operation als diejenige bei Meuse-Argonne.

    Die 1. (Horne) und die 3. britische Armee (Byng), die im Norden dieser 29 km langen Frontlinie in Stellung waren, griffen am 27.9. an. Innerhalb weniger Stunden hatten sie den Canal du Nord überquert und befanden sich knapp fünf km vor Cambrai. Die 3. Armee marschierte am 30.9. in die westlich gelegenen Vororte der Stadt ein, unterdessen drohten kanadische Streitkräfte die Stadt vom Norden her zu umgehen. Obwohl Cambrai selbst nicht vor dem 9.11. fiel, war Ludendorff sofort wegen des schnellen alliierten Vormarschs beunruhigt - wenngleich kein Durchbruch erzielt und der Vormarsch der Alliierten an den anderen beiden Fronen vorläufig gestoppt worden war. Ludendorff schlug vor, dass Deutschland wegen der heiklen militärischen Situation um einen Waffenstillstand bitten sollte. Dies war der Beginn einer Entwicklung, die am 11.11. mit dem Einstellen der Feindseligkeiten enden würde.

    Im Süden der Frontlinie, im St.-Quentin-Abschnitt, trat die 4. britische Armee (Rawlinson) nach einem starken Artilleriebeschuss am 29.9. in die Kampfhandlungen ein. Das Bombardement wurde von der 1. französischen Armee (Debeney) und einigen amerikanischen Divisionen unterstützt. Aufgrund des großen Drucks von Seiten Rawlinsons waren die Deutschen unter Max von Boehn nicht in der Lage, die Hindenburg-Linie zu halten; sie wurde schließlich am 4.10. aufgegeben. Die Deutschen zogen sich auf einer breiten Front zurück, nicht nur gegenüber von Rawlinsons Stellung, sondern auch gegenüber von den 1., 3. und 5. (Birdwood) britischen Armeen. Knapp 15 km von ihrer ursprünglichen Position entfernt, am Fluss Selle, hielten die Deutschen, waren aber bald dazu gezwungen, ihren Rückzug wieder aufzunehmen, da die Alliierten in voller Stärke vormarschierten.

    Der Selle-Frontabschnitt wurde in einem Angriff, der am 17.11. begann, erobert; dieser bedeutende britische Sieg brachte 20 000 Gefangene. Die 3. Armee erzwang eine Überquerung der Flusses an einer weiter unten gelegenen Stelle am 20.10. Gegen Ende des Monats waren die deutschen Armeen im Norden auf einer 32 km langen Frontlinie hinter den Fluss Schelde zurückgedrängt worden.

    Das durch schweres französisches Artilleriefeuer vernichtete Museum Lecuyer in St. Quentin

    Haigs Streitkräften schloss sich nun auf deren Linken die "Gruppe der Armeen Flanderns" - belgische, französische und britische Truppen - unter dem Kommando König Alberts an. Die Gruppe hatte ihre Flandern-Offensive am 28.9. begonnen; sie hatte die Ypern-Höhe rasch hinter sich gelassen und war entlang der Küste vorwärts marschiert. Das Tempo des Vormarschs hatte sich in dem sumpfigen Gelände Flanderns verlangsamt, beschleunigte sich aber gegen Ende Oktober wieder. Auf der Rechten verhinderten die 5. und die 10. französische Armee das Verrücken von Reservetruppen zum Hauptkampfgebiet.

    Haigs Offensive wurde am 1.11. fortgesetzt; seine Streitkräfte rückten auf einem 48 km breiten Frontabschnitt vor. Die Deutschen befanden sich nun in einer kritischen Lage - Soldaten und Ausrüstung waren knapp. Die Frontlinie entlang der Schelde wurde am 8.11. überquert, so dass Gent und Mons zum Zeitpunkt des Waffenstillstands befreit wurden. Die französisch-amerikanische Offensive weiter südlich hatte letztendlich einen dramatischeren Erfolg erzielt, es war jedoch die vereinte Wucht der beiden Vorstöße, die den Krieg schließlich zu einem Ende brachte.


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