Charles Louis Marie Lanrezac

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    französischer General; * 31. Juli 1852 Guadeloupe (Karibik) , † 18. Januar 1925 Neuilly-sur-Seine


    1905-14 Professor an der École de guerre. Bereits in den Jahren vor dem Krieg hatte sich Lanrezac einen Ruf als Taktikkoryphäe erworben und wurde daher bei Kriegsausbruch umgehend als Kommandeur über die französische 5. Armee eingesetzt. Diese sollte in der geplanten französischen Invasion (Plan XVII) in Deutschland den rechten Flügel der französischen Front bilden. Die Planung sah allerdings den massiven deutschen Aufmarsch in Belgien nicht vorher. Lanrezacs Warnungen, dass von den deutschen Truppen eine realistische Bedrohung für Frankreich ausgehe, wurden vom Oberkommando der französischen Armee zwar als übertrieben angesehen, seine 5. Armee dennoch gegen potenzielle Angriffe aus dem Norden neu positioniert.

    In der Schlacht von Charleroi zu einem Angriff auf das zahlenmäßig weit überlegene deutsche Heer aufgefordert - ohne die zugesagte Hilfe des noch nicht eingetroffenen Britischen Expeditionskorps -, widersetzte Lanrezac sich dem Befehl und ordnete einen Rückzug an. Dieses durchaus gerechtfertigte Handeln diskreditierte den französischen General beim britischen und französischen Heereskommando; er wurde für das Misslingen der gesamten alliierten Operation in Belgien verantwortlich gemacht. Lanrezac wurde durch Franchet d'Esperey abgelöst.

    Nach dem Krieg war er einer der schärfsten Kritiker Joffres und dessen Planung während der Offensiven von 1914. Eine Auszeichnung von Pétain rehabilitierte Lanrezac im Jahr 1924; dennoch ist der Name Lanrezac bis heute ein Symbol für die katastrophalen französischen Niederlagen des ersten Kriegsjahrs.


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