Dolchstoßlegende

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    Nach dem Ersten Weltkrieg von nationalistischen Kreisen verbreitete These, dass für den militärischen Zusammenbruch des Deutschen Reichs im Herbst 1918 das Versagen der Heimat verantwortlich sei, das "im Feld unbesiegte Heer" sei durch die Novemberrevolution "von hinten erdolcht" worden (Hindenburg am 18.11.19 vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss der Nationalversammlung).

    In den folgenden Jahren wurde die Dolchstoßlegende fester Bestandteil der Agitation der Rechten, besonders der Deutschnationalisten und der Nationalsozialisten, mit dem Ziel, die demokratischen Politiker der Weimarer Republik als "Novemberverbrecher" zu diffamieren. Tatsächlich stand das deutsche Heer im Herbst 1918 aus kriegswirtschaftlichen und strategischen Gründen unmittelbar vor der Niederlage, was General Ludendorff, später einer der Ziehväter der Dolchstoßlegende, mit seinem überstürzten Rücktritt Ende September 18 sowie seiner Forderung nach "sofortigem Waffenstillstand" dokumentiert hatte. Dass sich Politiker fanden, die den Militärs die Unterschrift unter den unvermeidlichen Waffenstillstand abnahmen, gab der Dolchstoßlegende neue Nahrung, die auch durch die klaren Beweise ihrer Unhaltbarkeit etwa im Dolchstoßprozess (19.10.-20.11.25 in München) nicht auszurotten war und die politische Atmosphäre nachhaltig vergiftete. Der völlige Zusammenbruch der deutschen Wehrmacht 1945 verhinderte das Aufkommen einer neuen Dolchstoßlegende nach dem Zweiten Weltkrieg.


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