Dritte Flandernschlacht

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    (Juli-November 1917)

    In der zweiten Hälfte des Jahres 1917 lag das Schwergewicht der Kampfhandlungen an der Westfront in Flandern, wo der Oberbefehlshaber des britischen Heers in Frankreich, Feldmarschall Sir Douglas Haig (1861-1928), beschloss, im Sommer 1917 eine neue Offensive beiderseits von Ypern durchzuführen. Ungeachtet des Scheiterns der bisherigen Offensiven der Entente unter den Bedingungen des Stellungskriegs stellte Haig ihr wiederum ein weites Ziel: Eroberung der belgischen Kanalküste mit den U-Boot-Stützpunkten, um den deutschen U-Boot-Krieg zu schwächen. Dies forderte vor allem die britische Admiralität.


    Durch Masseneinsatz von Artillerie und gewaltigen Munitionsmengen sollte die deutsche Verteidigung abschnittsweise zerschlagen und danach von der Infanterie besetzt werden. Dieses Verfahren, das auf die Überraschung verzichtete, hatte schon an der Somme 1916 versagt. Anfang Juni 1917 beseitigten britische Truppen mit Hilfe großer Minensprengungen den deutschen Frontbogen bei Wytschaete, aus dem heraus die Offensive in der Südflanke bedroht werden konnte. Für diese wurden 26 britische und sechs französische Divisionen, 3535 Geschütze (davon 1423 schwere) und 680 Flugzeuge bereit gestellt. Die gegenüberliegende deutsche 4. Armee verfügte nur über 18 Divisionen, davon zehn in den Stellungen, 1162 Geschütze (davon 550 schwere) und 600 Flugzeuge. Sie hatte jedoch umfangreiche Abwehrmaßnahmen getroffen. Das von zahlreichen Wasserläufen durchschnittene Gelände war für einen Angriff noch schwieriger als für die Verteidigung. Der hohe Grundwasserstand erschwerte den Bau von Stellungen und Verbindungswegen außerordentlich und machte umfangreiche Entwässerungsanlagen notwendig.

    Die Offensive begann am 15.7. mit der längsten Artillerievorbereitung des Weltkriegs (16 Tage), die wiederholt bis zum Trommelfeuer gesteigert wurde. Zugleich erfolgten zahlreiche Luftangriffe auf Ziele hinter der deutschen Front. Am 31.7. gingen die Truppen auf 23 km Breite von Deulemont an der Lys bis nördlich Steenstraate zum Angriff über. Den Hauptstoß, von 2300 Geschützen vorbereitet, führte die britische 5. Armee (15 Divisionen, davon neun in vorderer Linie) auf zwölf km Breite beiderseits von Ypern. In den ersten Tagen (31.7./1.8.) erzielte sie nur einen 16 km breiten und bis zu drei km tiefen Einbruch in die deutsche Verteidigung. Örtliche Gegenangriffe warfen die britischen Truppen teilweise zurück. Regen und die Zerstörung der Entwässerungsanlagen durch Artilleriefeuer verwandelten das Gelände in eine Schlammwüste, in der jede Truppenbewegung aufs äußerste erschwert war, insbesondere das Vorziehen der Artillerie.

    In der Folgezeit entwickelte sich das typische Bild einer so genannten Material- bzw. Zermürbungsschlacht. Zahlreiche kleinere und größere Angriffe, oft von einigen Panzern unterstützt, wechselten einander ab. Der Munitionseinsatz auf britischer Seite war dabei weitaus größer als bisher, ohne dass es gelang, die deutsche Front zu durchbrechen. Wochen- und monatelang waren die Ruinen einzelner Orte erbittert umkämpft. Passchendaele mit seinem Höhenrücken fiel erst am 6.11. in britische Hand. Die britischen Angriffe erfolgten stets an schmalen Abschnitten, was ihre Abwehr erleichterte. Zudem wurde das deutsche Abwehrverfahren durch die Schaffung eines Vorfelds, das geräumt werden konnte, und durch Zurücknahme der Hauptverteidigungslinie elastischer und wirkungsvoller. Auf deutscher Seite war die Hauptschwierigkeit, die nach kurzer Zeit kampfunfähigen Divisionen regelmäßig abzulösen. Als sich Mitte Oktober das Scheitern der Offensive immer deutlicher abzeichnete, befahl Haig, eine Angriffsoperation mit massiertem Panzereinsatz in Nordfrankreich vorzubereiten (Cambrai 1917).

    Die Schlacht war auch durch den massierten Einsatz der Jagdfliegerkräfte gekennzeichnet; es kam erstmals zu Luftkämpfen unter Beteiligung von über 100 Flugzeugen. Die deutsche Seite konnte die Luftüberlegenheit des Gegners ausgleichen, was zum Scheitern der Offensive beitrug.

    Der Beginn der Angriffsoperation bei Cambrai am 20.11. bezeichnete das Ende der letzten großen Material- bzw. Zermürbungsschlacht des Ersten Weltkriegs in Frankreich. An ihr nahmen nach und nach 57 britische und französische und 73 halb so starke deutsche Divisionen teil, viele davon mehrmals, d. h. über die Hälfte des deutschen Westheers. Die britisch-französischen Verluste betrugen insgesamt 332 000 Mann (davon 88 000 Tote und Vermisste), die deutschen 217 000 Mann (davon 83 000 Tote und Vermisste). Ein Hauptmerkmal der Flandernschlacht war die gewachsene materielle Übermacht der britisch-französischen Seite. Ihr Munitionsverbrauch stieg auf weit über 50 Millionen Granaten, der der deutschen 4. Armee auf 18 Millionen. Der riesige Aufwand an Kräften und Mitteln hatte lediglich zu einer 22 km breiten und bis zu acht km tiefen Einbuchtung der deutschen Front geführt. Die Schlacht endete mit einem Misserfolg des britischen Heeres. Sie war Ausdruck der zeitweiligen Überlegenheit der Verteidigung über den Angriff und zeigte, das man noch keinen Weg aus der Sackgasse des Stellungskriegs gefunden hatte.


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