Erste Flandernschlacht

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    (30.10-24.11.1914)

    Ein im Oktober 1914 gefallener Infanterist, der wohl ein Jahr in der Feuerzone im Wytschaetebogen vor Ypern lag und nicht weggeholt werden konnte. Der Tote war bei den Truppen allgemein unter dem Namen "Der Leichengigerl von Flandern" bekannt.

    Als der "Wettlauf zum Meer" sich seinem Ende näherte, unternahmen die Briten einen letzten Versuch, die nördliche Flanke der Deutschen zur Kehrtwende zu zwingen. Ein Vorstoß zwischen La Bassée und Armentières am 12.10. war anfangs ziemlich erfolgreich, bald aber stellten sich ihm acht neu ausgehobene Infanteriedivisionen, (4. Armee, Herzog Albrecht von Württemberg) entgegen. Die Briten fielen auf ihre vorbereiteten Stellungen zurück und ihre präzise eingesetzte Feuerkraft brachte die feindlichen Kampfhandlungen zum Erliegen. Als die Flandernschlacht einige Tage später begann, war die Formation der Frontlinie von der Schweiz bis zur Kanalküste abgeschlossen. Die Herbstschlacht in Flandern zog sich von der Kanalküste bei Nieuport bis zum Kanal von La Bassée hin (Luftlinie 72 km).

    Die erste Phase der Kampfhandlungen wurde am 20.10. durch einen Angriff der deutschen 6. Armee (Kronprinz Rupprecht) und der 4. Armee entlang der gesamten Frontlinie eingeläutet. Die 4. Armee sollte an der Yser zwischen Ypern und Nieuport durchbrechen und die Nordflanke der Alliierten einschließen. Dieser Frontabschnitt - gehalten von der belgischen Armee, die sich noch nicht wieder von ihrem Rückzug aus Antwerpen erholt hatte - erlebte in der ersten Phase der Schlacht die intensivsten Kampfhandlungen. Die Belgier leisteten weitaus stärkeren Widerstand als erwartet, konnten ihre Position aber nicht halten. Sie fielen auf die Bahnlinie Dixmunde-Nieuport zurück, als die Deutschen am 24.10. die Yser überquerten. Fünf Tage später konnte der deutsche Vormarsch gestoppt werden, nachdem die Belgier die Schleusen von Nieuport geöffnet hatten. Auf der restlichen Fronlinie nach La Bassée konnten die Briten und Franzosen ihre Stellungen halten.

    Die Belgier öffnen die Schleusen des Yser-Kanals und setzen somit das Gelände unter Wasser, so dass die Deutschen zurückweichen müssen und die Stadt nicht einnehmen können.

    Am 30.10. setzten die Deutschen ihre Bemühungen in geringerer Stärke am Frontabschnitt zwischen dem acht km östlich von Ypern gelegenen Gheluvelt und dem Höhenzug von Messines fort. Nördlich dieser Frontlinie, wo das 1. Korps (Haig) Position bezogen hatte, war die Situation ein Zeit lang sehr unsicher und in Gheluvelt selbst brachen die Deutschen durch, konnten aber kurz darauf wieder zurückgedrängt werden. Die fortgesetzten Angriffswellen erwiesen sich für beide Seiten als sehr kostspielig; die Deutschen prägten den Ausdruck "Kindermord von Ypern". Im Süden wurde das britische Kavallerie-Korps (Allenby) von der Messines-Höhe zurückgetrieben. Um ihre Positionen zu festigen und als Vorbereitung für den nächsten Angriff verlegten die Alliierten Verstärkung an die Front in der Umgebung von Ypern.

    Der dritte größere Angriff, der am 11.11. begann, konzentrierte sich auf ein noch kleineres Gebiet. Das Zentrum des Angriffs befand sich auf der Menin-Straße und hatte Ypern selbst zum vorrangigen Ziel. Südlich der Straße konnten die Briten den stetigen deutschen Angriffen erfolgreich Widerstand leisten, die deutschen Truppen brachen aber im Norden durch. Die Deutschen zögerten jedoch zu diesem kritischem Zeitpunkt, obwohl außer einer Reihe britischer Geschütze nichts vor ihnen lag. Ein Gegenangriff mit einer improvisierten Truppe, die auch aus Köchen und Offiziersburschen bestand, war ein Erfolg, und Ypern, ein Symbol des alliierten Widerstands, war gesichert.

    Obwohl die Krise zu Ende war, gingen die Kampfhandlungen bis zum 24.11., dem letzten Tag der Flandernschlacht, weiter. Die Verluste auf beiden Seiten - vor allem unersetzlicher professioneller Truppen - waren enorm. Auf britischer Seite zählte man 50 000 Tote oder Verwundete, die französischen und deutschen Verluste waren deutlich höher. Als die Kampfhandlungen abflauten, ersetzten Schützengräben, wie sie die Westfront bis 1918 dominierten, die offene Feldschlacht.


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