Erste Schlacht an der Somme

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    (24.6.-26.11.1916)

    Seit Februar 1916 plante das französische Oberkommando eine Offensive beiderseits der Somme zum Durchbruch der geschlossenen deutschen Stellungsfront. Sie sollte den Höhepunkt der Offensiven der Ententemächte 1916 bilden und dem deutschen Westheer eine entscheidende Niederlage zufügen. Aufgrund der deutschen Offensive bei Verdun 1916 musste sie jedoch erheblich eingeschränkt werden. Anstelle der französischen Verbände stellten überwiegend kampfunerfahrene britische Divisionen die Hauptkräfte. Aufeinander folgende, räumlich begrenzte Angriffe sollten die deutsche Verteidigung in Richtung Chaulnes - Péronne - Bapaume systematisch durchbrechen und den deutschen Frontbogen beseitigen. Ein wichtiges operatives Ziel war Cambrai. Außerdem wurde mit der Offensive die Absicht verfolgt, die französischen Truppen bei Verdun zu entlasten.

    Das Angriffsverfahren beruhte einseitig auf einer tagelangen Artillerievorbereitung mit der bislang stärksten Massierung von Artillerie (maximale Dichte 167 Rohre je Frontkilometer) und riesigem Munitionseinsatz. Auf den Überraschungseffekt wurde damit verzichtet. In dem etwa 40 km breiten Angriffsabschnitt wurden einschließlich der Heeresreserven bereitgestellt: elf französische und 23 britische (darunter drei Kavallerie-)Divisionen, 1635 leichte und 1348 schwere Geschütze, mehr als 1100 Minenwerfer und 421 britische Flugzeuge. Die gegenüberliegende deutsche 2. Armee verfügte auf 100 km Frontbreite nur über zwölf Divisionen, 598 leichte und 246 schwere Geschütze, eine größere Anzahl Minenwerfer und 104 Flugzeuge. Die deutsche Verteidigung bestand aus zwei durchgängigen Stellungen mit nur einer Grabenlinie.

    Die Schlacht an der Somme begann am 24.6. mit einer siebentägigen Artillerievorbereitung, die in den Hauptrichtungen wiederholt zu pausenlosem massiertem Feuer aller Kaliber gesteigert wurde. Da die verheerende Wirkung des Trommelfeuers in den ersten Tagen nicht ausgenutzt wurde, konnte die deutsche Seite Gegenmaßnahmen treffen. Der am 1.7. einsetzende Angriff von 19 Divisionen stieß daher auf hartnäckigen Widerstand von sieben deutschen Divisionen. Nur südlich der Somme gelang es den französischen Truppen, teilweise bis zur zweiten deutschen Stellung (westlich Péronne) vorzudringen. Der rasche Einsatz von Reserven (sieben Divisionen und Artillerie) konnte den drohenden Durchbruch abwenden. Mitte Juli wurde die deutsche Front zweckmäßiger gegliedert (Bildung der 1. und 2. Armee unter einem Heeresgruppenkommando).

    Beaumont-Hamel, bei der Somme-Schlacht dem Erdboden gleichgemachtes Dorf

    In der zweiten Phase der Schlacht (Ende Juli bis Ende August) entwickelte sich ein typischer Zermürbungskampf, in dem kleine Angriffe mit äußerst massiertem Artillerieeinsatz vorherrschten. Zerstörte Dörfer und Gehöfte sowie schmale Geländestreifen waren wochenlang auf das härteste umkämpft. In der Regel nahmen beiderseits nur zwei bis drei Divisionen unmittelbar am Kampf teil, die jedoch in kurzer Zeit ihre Kampffähigkeit einbüßten. Das Gelände wurde zu einem schwer passierbaren Trichterfeld. Das Angriffstempo betrug oft nur wenige 100 m am Tag. Da die Gräben zerstört waren, verteidigten sich die deutschen Truppen zunehmend in Granattrichtern und Schützenlöchern. Im Juli und August hatte die deutsche Artillerie ihre bisher schwersten Verluste (etwa 2360 Geschütze). Zugleich beschwor der Verbrauch von rund 14 Millionen Granaten eine neue Munitionskrise herauf. Infolge der schweren Verluste musste die Oberste Heeresleitung an der Somme erstmals für die Kampftruppen die regelmäßige Ablösung einführen und dazu schließlich fast das gesamte Westheer heranziehen.

    Anfang September begann die letzte Phase der Schlacht. Der Einsatz der französischen 10. Armee südlich der Somme blieb erfolglos. Ihren Höhepunkt erreichte die Schlacht von Mitte September bis Anfang Oktober nördlich des Flusses, wo die verstärkten britischen Truppen angriffen. Am 15.9. setzte das britische Oberkommando erstmals Panzer ein (49 Stück), jedoch noch ohne größere Erfolge. Die neue, dritte OHL gab die Konzeption des verlustreichen Haltens der vorderen Linie auf und führte eine elastischere und tiefer gestaffelte Verteidigung ein. Ungeachtet des bisher erfolglosen Verlaufs der Offensive, der verheerenden Verluste und der zunehmenden Kritik ließen das französische und das britische Oberkommando die Angriffe fortsetzten. Ende Oktober verfügte die Entente an der Somme über 4881 Geschütze und über 1000 Flugzeuge, die deutsche Seite über 2377 Geschütze und 508 Flugzeuge. Die französisch-britischen Fliegerkräfte besaßen während der ganzen Schlacht die Luftherrschaft. Sie unterstützten die Infanterienagriffe und bombardierten Objekte hinter der deutschen Front, konnten aber die Heranführung deutscher Reserven nicht ernsthaft stören. In dem durch Regen verschlammten Trichterfeld kamen Ende Oktober alle Angriffe zum Erliegen. Am 18.11. scheiterte der letzte britische Großangriff.

    Vernichtetes englisches Tankgeschwader an der Somme

    Die Entente erlitt an der Somme eine schwere Niederlage. Die Ursachen lagen vor allem in dem einseitigen und schematischen Angriffsverfahren und dem Fehlen beweglicher Angriffsmittel. Nach fast fünf Monaten war die deutsche Front lediglich auf etwa 40 km Breite bis zu 10 km eingedrückt worden. Auch tagelanges massiertes Artilleriefeuer hatte es nicht vermocht, sämtliche Widerstandspunkte zu vernichten. Die Überlegenheit der Verteidigung äußerte sich in einem wirksameren Feuersystem und in größerer Beweglichkeit der Infanteriereserven. Die französischen Verluste (Tote, Vermisste, Verwundete und Gefangene) betrugen fast 200 000 Mann, die britischen rund 556 000 Mann und die deutschen rund 500 000 Mann. Nach und nach waren 104 französische und britische Divisionen (rund 2,5 Millionen Mann) und 95 1/2 deutsche Divisionen (rund 1,5 Millionen Mann) durch die "Hölle an der Somme" gegangen. Stärker als bisher hatte sich die materielle Überlegenheit der Entente gezeigt. Ihr Munitionseinsatz von rund 24 Millionen Granaten lag weit über dem auf deutscher Seite. Zu den Auswirkungen der Schlacht gehörten u. a. der Bau der Siegfried-Stellung.


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