Erster Weltkrieg: Chronik 1914

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    Augenblick des Angriffs mit Handgranaten und Minenwerfen auf den feindlichen Graben, der sich hinter dem Gebüsch entlang zieht

    Wegen der zahlenmäßigen Unterlegenheit plante die deutsche Kriegsführung, in rascher Offensive durch Belgien gegen Paris vorzustoßen, die französischen Truppen vernichtend zu schlagen, bevor die englische Hilfe wirksam würde, und sich dann gegen Russland zu wenden, das bis dahin im Kampf mit einem defensiven Österreich weitgehend gebunden sein sollte. Die Unterstützung aller Gegner und die Überschätzung des Bundesgenossen zwangen die Oberste Heeresleitung (OHL) jedoch bald zu einer völlig neuen Strategie.

    Zunächst hielt der belgische Widerstand die deutschen Armeen nicht acht Tage, sondern fast vier Wochen auf (Brüssel am 20.8.1914 gefallen); im Osten erfolgte der russische Vorstoß mit den Armeen Rennenkampf und Samsonow gegen Ostpreußen und mit fünf Armeen gegen Galizien wesentlich früher, als man erwartet hatte, und der österreichische Widerstand brach nach der Offensive, die Conrad von Hötzendorf mit unzureichenden Kräften gegen Polen geführt hatte, in den Schlachten bei Lemberg und Rawa Ruska zusammen; selbst der stark angesetzte Feldzug gegen Serbien scheiterte nach Anfangserfolgen.

    Im Westen bedrohte der deutsche Vormarsch nach Überschreiten der Maas (Einnahme von Longwy 26.8.) und dem Sieg über die Engländer bei Mons (25./27.8.) Paris, kam jedoch in der Marneschlacht zum Stillstand. Nach Rückzug zur Aisne und Eroberung Belgiens (Antwerpen 9.10.) bis zum Yserkanal suchten beide Gegner im "Wettlauf zum Meer" (Oktober/November) die feindliche Flanke zu umklammern. Als nach verlustreichen und ergebnislosen deutschen Vorstößen die Kanalhäfen nicht erreicht wurden, erstarrte die Westfront im Stellungskrieg von der Schweizer Grenze bis zum Kanal. Die Front im oberen Elsass, in das die Franzosen im August 1914 eingedrungen waren, war trotz der harten Kämpfe am Hartmannsweilerkopf nur Nebenkriegsschauplatz.

    Exz. General v. François besichtigt nach der Schlacht bei Tannenberg das von den Russen bei ihrer Flucht hinterlassene Materialchaos. Ende August 1914.

    Im Osten hatte sich die Front von der Ostsee bis zu den Karpaten ebenso verfestigt, nachdem Ostpreußen durch die Siege bei Tannenberg und die Schlachten in Masuren befreit und der gefährliche russische Vorstoß gegen Schlesien und Posen bei Lódz zurückgeschlagen worden war; die russischen Versuche, im Winter über die Karpatenpässe in Ungarn einzufallen, wurden mit deutscher Hilfe abgewehrt. In all diesen Kämpfen war entscheidend, dass Russland seine Truppenübermacht durch immer stärkeren Mangel an Kriegsmaterial nicht voll entfalten konnte.

    Der Kriegsminister Enver Pascha begrüßt nach seinem Besuch in Kut el Amara deutsche Truppen.

    Bereits mit Kriegsbeginn bemühten sich beide Parteien, weitere Staaten als Verbündete zu gewinnen. Wichtig war die Entscheidung der Türkei, die trotz Geheimvertrags mit Deutschland (2.8.1914) und Aufnahme der Kreuzer "Goeben" und "Breslau" (11.8.) nach der Marneschlacht zunächst mit ihrer Parteinahme zögerte, sich aber Ende Oktober wegen der russischen Kriegsziele (Meerengen) doch zum Kriegseintritt auf deutscher Seite entschloss. Geschwächt durch die Gewaltlösung der Armenierfrage und Araberaufstände, die schließlich durch Lawrence zusammengefasst wurden, besaß die Türkei nicht die notwendigen Kräfte zu den von Enver Pascha geführten Offensiven gegen die Russen. Nach Anfangserfolgen an der Kaukasusfront im November 1914 und Besetzung der persischen Provinz Aserbeidschan wurden die Türken 1916 aus Armenien und Persien wieder verdrängt.

    Eine britisch-indische Maschinengewehr-Abteilung in Mesopotamien

    Die türkischen Truppen erschwerten aber die Versorgung Russlands mit Waffen durch die Entente, weil sie jede Zufuhr über die Meerengen (Dardanellen und Bosporus) sperrte. Außerdem fesselten sie englische Kräfte durch den (misslungenen) Vorstoß gegen Ägypten und den Kampf in Mesopotamien, wo sie 1915 bei Ktesiphon und 1916 bei Kut el Amara siegreich waren, bis die Engländer im März 1917 Bagdad nahmen. Durch den Defensiverfolg bei Gallipoli wurde ein russischer Vorstoß in die Balkanflanke verhindert.

    Unwesentlich für den Kriegsverlauf dagegen war der Eingriff Japans, das sein Bündnis mit England nur zur Eroberung von Tsingtau (7.11.1914) und zur Beanspruchung deutscher Südseebesitzungen sowie zur Ausdehnung seiner Machtstellung in China ausnützte, ohne aktiv am Krieg teilzunehmen.


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    Briefe gefallener Studenten

    November 1914.

    ... Seit acht Tagen im Schützengraben, einer Ruine, in der bei Regenwetter das Wasser rauscht und alles von Lehm und Dreck starrt und die auch Schutz gegen das furchtbare Granatfeuer gewähren soll. Kleine Menschenarbeit gegen gewaltige Kräfte ... (Fritz Meese)

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