Erster Weltkrieg: Chronik 1915

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    Deutsche Matrosen mit Schutzmasken gegen feindliche Gasangriffe an der Küste Flanderns

    Seitdem deutlich geworden war, dass Deutschland seine Gegner nicht in einem "Blitzkrieg" schlagen konnte, suchte Falkenhayn 1915 im Osten eine Entscheidung herbeizuführen und ließ an der Westfront mit geringem Geländeverlust die alliierten Durchbruchsversuche (Winterschlacht in der Champagne, Februar/März; bei Neuve-Chapelle, März; bei den Lorettohöhen, Mai/Juli) im Grabenkrieg abwehren. Der deutsche Gegenangriff bei Ypern (Zweite Flandernschlacht, April/Mai), durch den Deutschland den Gaskrieg eröffnete, diente nur der Stellungsverbesserung.

    Aber trotz der großen Erfolge im Osten bei Gorlice-Tarnow (Mai), der Rückeroberung von Galizien (Juli), der Offensive Mackensens zwischen Bug und Weichsel (Juli) und der gleichzeitigen am Narew (Gallwitz), die das Gebiet bis zur Linie Czernowitz-Dünaburg-Riga in deutsch-österreichische Hand brachten, konnte das russische Heer, dessen Oberbefehl im September 1915 Zar Nikolaus II. selbst übernahm, nicht vernichtet werden; denn Falkenhayn führte im Gegensatz zu den Forderungen Hindenburgs und Ludendorffs nicht die gesamten Reserven dem Osten zu, weil er mit der Notwendigkeit ihres Einsatzes im Westen rechnete; die österreichischen Truppen aber waren bei Tarnopol (September) zum Rückzug gezwungen worden.

    Bombensichere Höhlen der österreichisch-ungarischen Truppen an der Isonzofront

    Nach langem diplomatischen Bemühen Deutschlands und heftigen innenpolitischen Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern der Neutralität und der Intervention erklärte Italien den Mittelmächten den Krieg (23.5.1915 an Österreich), um seine Irredenta-Ansprüche und seine Interessen an der Adria durchzusetzen. Die Wirkungen lagen besonders auf politischem Gebiet, da Italien im Geheimvertrag von London (26.4.1915) sich große territoriale Zugeständnisse auf österreichische Kosten hatte geben lassen und an diesen festhielt, so dass dann alle österreichischen Friedensbemühungen Kaiser Karls 1917 daran scheitern mussten. Obwohl die italienischen Truppen (bis 1917 unter Cadorna) an den Grenzen von Tirol, Steiermark und am Isonzo wenig Erfolg hatten, wurde die durch sie erzwungene Bindung österreichischer und deutscher Kräfte im Lager der Entente so hoch bewertet, dass Italien 1917 auch noch türkische Gebiete zuerkannt bekam.

    Die Kriegslage auf dem Balkan wurde für die Mittelmächte erst günstiger, als sich Bulgarien diesen am 6.9.1915 anschloss, was für die Verbindung zur Türkei und zum Angriff auf Serbien notwendig war. Da Deutschland hier auf serbische Kosten (Mazedonien bis zur Morawa) und bei eventueller Gegnerschaft Rumäniens und Griechenlands (Dobrudscha und Teile Griechisch-Mazedoniens) die größeren Zugeständnisse machen konnte und die Türkei eine Grenzberichtigung bis zur Maritza versprach, erklärte Bulgarien den Krieg an Serbien (14.10.), nachdem die deutsche Offensive unter Mackensen erfolgreich begonnen hatte. Im gemeinsamen Vorgehen wurde bis Jahresende ganz Serbien erobert, Montenegro zur Kapitulation gezwungen und die Italiener aus Albanien vertrieben. Die englisch-französische Entlastungsoffensive unter Sarrail setzte von Saloniki aus zu spät ein, war aber doch eine Gefahr in der Flanke der Mittelmächte.


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    Briefe gefallener Studenten

    November 1914.

    ... Seit acht Tagen im Schützengraben, einer Ruine, in der bei Regenwetter das Wasser rauscht und alles von Lehm und Dreck starrt und die auch Schutz gegen das furchtbare Granatfeuer gewähren soll. Kleine Menschenarbeit gegen gewaltige Kräfte ... (Fritz Meese)

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