Erster Weltkrieg: Chronik 1917

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    Ein gut ausgebauter deutscher Schützengraben in der Champagne

    Die beiden letzten Kriegsjahre kennzeichnete das Nachlassen der allgemeinen Durchhaltekraft in allen Krieg führenden Staaten. Durch die elastische Abwehrtaktik der in die Siegfried-Stellung zurückgenommenen deutschen Truppen blieben die alliierten Durchbruchsversuche bei Arras, an der Aisne und in der Champagne (April/Mai 1917) wie im Artois und in Flandern (Dritte Flandernschlacht, Juli-November) erfolglos. Den Durchbruch in der Panzerschlacht bei Cambrai (20.11.17) konnten die Engländer nicht ausnutzen. Die Front der Italiener wurde nach dem deutsch-österreichischen Durchbruch zwischen Flitsch und Tolmein (Schlacht bei Caporetto, Oktober-Dezember) an der Piave wieder stabilisiert, so dass auch dort keine Entscheidung fiel. Dieser allgemeine Stillstand, der kein Kriegsende absehen ließ, führte in allen Ländern zu inneren Krisen.

    In Russland erfolgte 1917 die völlige Umwandlung des zaristischen Staats, in dem sich Arbeiter und Soldaten im offenen Aufstand vereinigt hatten. Die neu gegründete bürgerliche Republik unter der provisorischen Regierung (Lwow, Gutschkow, Miljukow) setzte den Kampf fort. Deshalb brachte die deutsche OHL die bolschewistischen Führer (Lenin) aus der Schweiz nach Russland, um es durch deren Agitation völlig zu zermürben. Nach der von Kerenski befohlenen letzten Offensive Brussilows (Juni) und der deutschen Eroberung von Riga (September), Ösel, Dagö und Moon gewannen die Bolschewiki die Macht. Sie schlossen Waffenstillstand (15.12.) und nach dem deutschen Vormarsch in Russland, das sich nicht verteidigte, den Frieden von Brest-Litowsk.

    Amerikanische Soldaten auf dem Weg zur Einschiffung

    Während Bethmann Hollweg noch mit Wilson über Friedensmöglichkeiten verhandelte, fiel im Kronrat von Pleß am 9.1.1917 die Entscheidung über den uneingeschränkten U-Boot-Krieg, den die OHL dringend forderte, nachdem der Admiralstab versichert hatte, dass Großbritannien damit in sechs Monaten zur Kapitulation gezwungen werden könne. Obwohl Wilson zunächst nur den Abbruch der diplomatischen Beziehungen (1.2.) und nach Kenntnis vom deutschen Angebot an Mexiko, es bei seinem Kriegseintritt zur Wiedererwerbung der 1848 an die USA verlorenen Gebiete zu unterstützen, die Bewaffnung der amerikanischen Handelsschiffe angeordnet hatte, beantragte er am 2.4. die Kriegserklärung an Deutschland.

    Damit trat die stärkste und wirtschaftlich leistungsfähigste Macht auf die Seite der Entente. Die deutsche Meinung, durch U-Boote den Truppentransport nach Europa verhindern zu können, erwies sich bald als Irrtum. Außerdem ermöglichten die amerikanischen Kredite den Westmächten die weitere Finanzierung des Kriegs. Im selben Jahr schloss sich außerdem Griechenland der Entente an, nachdem der neutral gesinnte König Konstantin auf Druck der Westmächte abdanken musste (12.6.1917).


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    Briefe gefallener Studenten

    November 1914.

    ... Seit acht Tagen im Schützengraben, einer Ruine, in der bei Regenwetter das Wasser rauscht und alles von Lehm und Dreck starrt und die auch Schutz gegen das furchtbare Granatfeuer gewähren soll. Kleine Menschenarbeit gegen gewaltige Kräfte ... (Fritz Meese)

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