Erster Weltkrieg: Chronik 1918

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    Das zerschossene Rathaus von Montdidier

    Deutschland nahm nochmals einen Aufschwung, weil es nach dem Frieden im Osten seine Kräfte gegen den Westen konzentrieren konnte, während die Westmächte nur noch so lange durchzuhalten hatten, bis die amerikanische Hilfe wirksam wurde. Der von Ludendorff vor Erscheinen der Amerikaner geplante Entscheidungsangriff suchte die Engländer von den Franzosen zu trennen und sie gegen das Meer zu drängen. Obwohl die am 21.3.1918 vorstoßenden drei Armeen zunächst erfolgreich waren, konnten die Engländer ihre Frontlücke wieder schließen. Zugleich baute Ludendorff den erfolgreichen Vorstoß gegen die Franzosen am Südflügel aus. Obschon Foch den Oberbefehl über die gesamten Verbündeten erhalten hatte (April/Mai), wurden im 2. deutschen Angriff (April) südlich Ypern der Kemmelberg und Armentières eingenommen, der Gewinn aber wegen Mangels an Reserven nicht ausgenutzt. Auch der 3. Angriff am Chemin des Dames (Mai), der bis zur Marne führte, blieb wie der 4. zwischen Montdidier und Noyon (Juni) und der 5. an der Marne und in der Champagne (Juli) stecken, da immer wieder die Reserven fehlten und nun bereits die Amerikaner eingriffen.

    Oberste Heeresleitung: Hindenburg, Wilhelm II. und Ludendorff, die auf dem Weg zum großen Hauptquartier durch die Straßen eines französischen Städtchens gehen.

    Die von Staatssekretär Kühlmann, solange das deutsche Heer noch schlagkräftig sei, geforderten Friedensverhandlungen wurden von der OHL abgelehnt; seine Erklärung, der Krieg sei mit militärischen Mitteln allein nicht zu gewinnen, führte auf Druck der OHL zu seiner Entlassung. Bevor Ludendorff aber seinen geplanten 6. Angriff durchführen konnte, zwang die Gegenoffensive Fochs (ab 18.7.1918), die mit Panzern und amerikanischen Truppen zwischen Reims und Soissons und bei Amiens vorstieß, die deutschen Truppen zum Rückzug (8.8., der "schwarze Tag" des deutschen Heers) bis zur Siegfried-Stellung. Sie wurde durchbrochen und konnte nur verkürzt gehalten werden; zuletzt verlief die Front hart an der französisch-belgischen Grenze und das flandrische Küstengebiet war 17./19.10. von den Engländern erobert worden.

    Auf Drängen Lloyd Georges setzten zugleich die letzten entscheidenden Vorstöße gegen die deutschen Verbündeten ein. Die Saloniki-Armee durchbrach die bulgarische Saloniki-Front und stieß gegen Üsküb vor (September 1918), Allenby vertrieb die Türken aus Palästina (September). Österreich blieb an der Piave und am Monte Grappa (Juni) erfolglos. Da Bulgarien am 30.9. Waffenstillstand geschlossen hatte, die Türkei nach Entlassung von Enver Pascha und Talât Pascha (Anfang Oktober) um Waffenstillstand bat und Österreich seit August am Ende seiner Kraft war, forderte die OHL am 29.9. die sofortige Einleitung der Waffenstillstandsverhandlungen, um einen totalen Zusammenbruch zu vermeiden. Sie wurden von Hertlings Nachfolger, Prinz Max von Baden, der die parlamentarische Regierungsform (28.10.) vorbereitete, Wilson am 5.10. angeboten, aber erst nach Ludendorffs Entlassung (26.10.) am 11.11. in Compiègne unterzeichnet.

    Einzug der Truppen durch das Brandenburger Tor in Berlin im Dezember 1918

    Die Hauptbedingungen waren: Räumung der besetzten Gebiete und Elsass-Lothringens in 15 Tagen, ferner des linken Rheinufers, Bildung einer zehn km breiten neutralen Zone rechts des Rheins, Auslieferung des meisten Kriegsmaterials und der Kriegsgefangenen (ohne Gegenseitigkeit), Verzicht auf die Verträge von Brest-Litowsk und Bukarest und Abrüstung der Hochseeflotte. Während der Schlussverhandlungen mit Foch aber war in Deutschland die Novemberrevolution ausgebrochen und Wilhelm II. zur Abdankung gezwungen worden. Das Erbe des verlorenen Kriegs musste die Weimarer Republik antreten.


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    Briefe gefallener Studenten

    November 1914.

    ... Seit acht Tagen im Schützengraben, einer Ruine, in der bei Regenwetter das Wasser rauscht und alles von Lehm und Dreck starrt und die auch Schutz gegen das furchtbare Granatfeuer gewähren soll. Kleine Menschenarbeit gegen gewaltige Kräfte ... (Fritz Meese)

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