Feldpost: Eduard Bruhn

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg


    Eduard Bruhn, stud. theol., Kiel,

    geb. 18. Oktober 1890 in Schlamersdorf,
    gef. 17. September 1915 in Rußland.

    Champagne, bei Somme Py, 16. April 1915.

    Kein Stimmlein noch schallt von allen
    in frühester Morgenstund'.
    Wie still ist's noch in den Hallen
    durch den weiten Waldesgrund.

    Ich stehe hoch überm Tale
    stille vor großer Luft,
    und schau nach dem ersten Strahle,
    kühl schaudernd in tiefster Brust.

    Wie sieht da zu dieser Stunde
    so anders das Land herauf,
    nichts hör' ich da in der Runde
    als fern der Ströme Lauf.

    Und ehe sich alle erhoben,
    des Tages Freuden und Weh,
    will ich, Herrgott, dich loben
    hier einsam in stiller Höh'.

    Nun rauschen schon stärker die Wälder,
    Morgenlicht funkelt herauf,
    die Lerche singt über den Feldern –
    schöne Erde, nun wache auf!

    (Eichendorff.)

    In solcher Andacht, Ihr lieben Eltern, stehe ich hier vorm Unterstand an meinem Geburtstagsmorgen, indes die anderen ruhen von unserer unterirdischen nächtlichen Arbeit. Still und feierlich steht jenseits des Tales der dunkle Wald, ins Licht der strahlend emporsteigenden Sonne getaucht. Darüber der blaue Himmelsdom und in allen Weiten und Höhen das Jubilieren der Vögel. Hin und wieder fällt ein Schuß, sonst weltfremde Einsamkeit. [...] – Nachmittag. Habe ausgeschlafen, wie es alle Tage geht. Den Tag über schlafen wir in den Unterständen hinterm Graben, nachts arbeiten wir. Die letzten Nächte haben wir in unterirdischen Minengängen gebuddelt. Ein unbequemes Arbeiten in den meterhohen, schmalen Gängen, die Nacht für Nacht um ein bis zwei Meter gegen den feindlichen Graben vorgetragen werden. Mit hölzernen Rahmen wird der Kalkboden ausgesteift. Die ausgeschlagenen Gesteinsbrocken werden in Sandsäcke gefüllt und von Hand zu Hand gereicht, um schließlich auf der Deckung und im Graben nach Art von Mauern aufgeschichtet zu werden, was mit großer Vorsicht geschehen muß; denn unaufhörlich läßt der Feind Leuchtkugeln um Leuchtkugel emporsteigen, die das ganze Gelände mit der Helligkeit des Vollmondes übergießen. So begrüßte ich diesesmal im Stollen mit der Picke in der Hand beim Kerzenlicht meinen Geburtstag. Ein denkwürdiger Augenblick für mich. Beim Morgengrauen müssen wir die Arbeit abbrechen und kehren durch den Laufgraben in unsere Bereitschaftsstellung zurück. Heute lockte mich der wundervolle Morgen, noch nach der Quelle zu gehen, die etwa eine halbe Stunde von unseren Unterständen entfernt liegt, um Wasser für mich und meine Kameraden zu holen. Da noch leichter Frühnebel im Tale lag, bot dieser Gang keine Gefahr. So wanderte ich durch den herrlichen Morgen und empfand in tiefster Seele, was Eichendorff in seinen Werken singt. Und das war meine Geburtstagsfeier. [...]


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