Feldpost: Ernst Hieber

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg


    Ernst Hieber, stud. theol., Tübingen,

    geb. 24. Juni 1892 in Stuttgart,
    gef. 19. April 1915 im Argonnenwald, südlich Binarville.

    14. April 1915.

    ... Ich bin jetzt bald drei Monate, ein Vierteljahr, wieder im Feld, höre fast jeden Tag die Schießerei der Gewehre und Geschütze, sehe so manchen sterben; man fühlt sich bald etwas einsam. Es ist mir manchmal, als werfen mir die Gefallenen vor: Warum ich und nicht du? Warum ich, der ich mein Leben schon so häuslich eingerichtet habe, und nicht du, der du wohl etwas Schönes hinter dir hast, aber noch nichts Bestimmtes vor dir? Ich glaube, solche Gefühle hat jeder, der länger dabei ist.

    Bei uns ist es gegenwärtig sehr ruhig, wir richten uns in unserer Stellung ein, als ob wir hier den Frieden erwarten wollten. Den Frieden! Alle Sehnsucht, die einer, der so lange von seinen Lieben weg ist, aufbringen kann, alle Wünsche, die er für sich hegt, und alle Träume, die er in seinem Unterstand von der Zukunft träumt, sind zusammengefaßt in diesem einen linden Wort: Frieden.


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