Feldpost: Friedrich Hesse

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg


    Friedrich Hesse, stud. theol., Greifswald,

    geb. 25. März 1887 in Verden,
    gef. 17. Juni 1915 im Feldlazarett La Malmaison.

    Meine liebe Mutter! Ich gehe wieder zur Front. Gotthelf mit seinen Beinschüssen ist wieder im Feuer. Herr Pischel macht eine gefährliche und entbehrungsvolle Fahrt, um seinem Vaterlande zu dienen, da müßte ich mich schämen, wenn ich schon aufhören wollte, weil es mir schwerfällt. Ich danke Dir für Deinen lieben Brief, er hat mir gezeigt, was ich zu tun habe. Die gestrige Karfreitagspredigt hat auch geholfen. Was hat Christus nicht alles leiden müssen! Wir sind ja nicht zum Vergnügen auf der Welt, sondern um unsere Pflicht zu erfüllen bis zum äußersten. Also an der Front ist mein Platz und wenn es mir noch so schwerfällt. Falle ich dort, was macht das? Morgen läuten die Glocken das Auferstehungsfest ein – welch eine Hoffnung! Sterben müssen wir alle einmal, und einen Tod, der ehrenvoller wäre als der auf dem Schlachtfelde in treuer Pflichterfüllung gibt es nicht. Gott wird mich schützen; ich vertraue auf meinen Konfirmationsspruch. Er wird das gute Werk, das er in mir angefangen hat, auch vollführen. Falle ich also, dann hat er es bereits vollführt und es war sein Wille so. Dem kann kein Mensch entgehen. Du hast soviel schon für mich gebetet, der Herr wird Dich auch erhören, und wenn nicht, dann hat er keine besonderen Absichten damit. Verlassen wird er Dich sicherlich nicht. Der Herr legt wohl eine Last auf, aber er hilft auch. Wirf also alle Deine Sorgen auf ihn, er wird alles herrlich hinausführen.


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