Feldpost: Hans Forster

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg


    Hans Forster, stud. math., München,

    geb. 6. Oktober 1890 in Bettbrunn,
    gef. 29. November 1916 bei St. Mihiel.

    Vor Verdun, 1. Juli 1916.

    Am 20. abends 9 Uhr geht's in die Stellung vor. Rasendes Granatenfeuer. In einen früheren Hohlweg hinein. Dort hatten 2 Züge Stellung. Der 3. Zug kam links davon einen Hang entlang. Ihr dürft Euch da nicht etwa was Grünes darunter vorstellen. Es gibt keine Farbe außer braun, grau und schwarz – es gibt keine Form außer Granatlöchern. [...] Wir warten in einem Granatloch. 10 Meter links von mir steht in einem Loch Leutnant A., unser derzeitiger Kompagnieführer. Leutnant A. ruft herüber: "Schön ist es gegangen" und lacht; dann wird er ernst, da er sieht, daß einige Leute weiter vorgehen und Gefahr laufen, ins eigene Feuer zu kommen. Er steht auf und will rufen – da – spritzen Fetzen seiner Generalstabskarte, er krampft die Hände vor die Brust und fällt vornüber. Einige Leute springen hinzu – doch schon nach wenigen Minuten ist er tot. Weiter geht es. Kein Aufenthalt. Über Drahtverhau zum Dorf Fl.; in Zeit von 10 Minuten unser. – Mit umgehängten Gewehr, die Zigarette im Munde, lachend und plaudernd geht es weiter. Gefangene Franzosen kommen zu Hunderten. [...] Sieht man den Bergrücken von Fl. aus westwärts hinunter zwischen Fort I. und Fort S. hindurch, so erblickt man ein Tal, dessen Ausgang, rechts sich wendend – Verdun, bzw. seine Vorstädte sehen läßt. Oh, Verdun, welche Begeisterung! – Man drückt sich mit strahlendem Blicke die Hand. Rechts vom Dorf Fl. steht Prinz Heinrich, freudig bewegt. Es ist ein Anblick – so groß und erhaben: Zeit 9.20 Uhr vormittags. Die Sonne scheint. Vor uns die Täler. Gewaltige Explosionen ab und zu. Um 12 Uhr mittags raffte sich der Feind zu einem Gegenstoß auf, wir überrannten ihn und besetzten einen Schützengraben 1 ½ Kilometer vor Dorf Fl. [...] Als wir abends (23.) aus unseren Löchern krochen, merkten wir, zu unserem Schrecken, daß die Stellung um 8 Uhr geräumt war und nur mehr wir 24er und die paar 10er die Stellung von 500 Metern hielten. Das war unmöglich. Leutnant E. gab Befehl, bei Einbruch der Dunkelheit zurückzugehen, da wir vergessen worden seien. [...] So ging es unter Granatenhagel zurück. Der Durst war riesig. Jede, auch durch Gas gelbgefärbte Pfütze mußte herhalten. Nach 2 Stunden hatten wir 500 Meter zurückgelegt. Von Loch zu Loch. – Es wurde Nacht – der Granatenregen weniger stark – aber dafür sehr schwer die Richtung zu finden. Gott sei Dank hatte ich den Leuchtkompaß, sonst wären wir bestimmt in Gefangenschaft geraten. [...]


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    Briefe gefallener Studenten

    November 1914.

    ... Seit acht Tagen im Schützengraben, einer Ruine, in der bei Regenwetter das Wasser rauscht und alles von Lehm und Dreck starrt und die auch Schutz gegen das furchtbare Granatfeuer gewähren soll. Kleine Menschenarbeit gegen gewaltige Kräfte ... (Fritz Meese)

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