Feldpost: Hans Martens

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg


    Hans Martens, stud. rer. techn., Charlottenburg,

    geb. 23. September 1892,
    gef. 14. Juli 1915 bei Rudnicki an der Szlota Lipa.

    4. Februar 1915.

    Lange wird's ja nun nicht mehr dauern, dann bin ich wieder draußen – Gott sei Dank! Es ist doch schöner im dreckigsten Graben, man sieht dort all das Elend nicht so; und wenn ich mir eines wünsche, so ist es, daß mir endlich einmal im Kampf lebendige Tat beschieden sein möge! Denn wenn man im Graben steht und sich nicht regen darf, wenn die Minen und Granaten kommen, so ist das wohl Kampf, aber keine lebendige Tat . sondern das grauenhafte Gegenteil davon. Das ist überhaupt das Scheußliche in dem jetzigen Krieg – alles wird maschinenmäßig, man könnte den Krieg eine Industrie gewerbsmäßigen Menschenschlachtens nennen – man tut mit in Begeisterung für das zu erringende Ziel und mit Verachtung und Abscheu vor den Mitteln, zu denen man zu greifen gezwungen ist, um das Ziel zu erreichen. Die kürzlich beiderseits eingeführten Minenwerfer sind das Abscheulichste. Sie werden lautlos abgeworfen und schlagen oft dreißig Mann zugleich kaputt. – Man steht im Graben – jede Sekunde kann solch Ding krepieren – nur den einzigen Trost hat man, wenn man die Wirkung unserer Minen sieht, die so schrecklich ist, daß die Fetzen bis in die eigene Deckung herüberfliegen –, wir sind den Herren Franzosen auch hier in der soliden Ausführung über. – Nur wenige Glückliche haben hier draußen Gelegenheit zu wirklich lebendiger Tat, und ich bin traurig, bisher nicht zu diesen gehört zu haben.


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