Feldpost: Johannes Schumann

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg


    Johannes Schumann, stud. med., Freiburg i. B.,

    geb. 1. Mai 1895 in Nietleben (Saalekreis),
    gef. 24. August 1915 bei Ischteghem.

    Den 1. August 1915.

    Wir haben draußen vor der Türe im Walde gesessen und der Musik, die zur Einweihung des Kasinos spielte, zugehört. Es erinnerte mich so sehr an die Abende, die ich mit Wandervögeln und Wikingern im Walde zugebracht habe, bei Klampfenspiel und Feuerschein. Doch die einst mit im Kreise lagen, wo sind sie?

    Auch viele am Ziele,
    zu den Toten entboten.

    Ich kann mich noch lebhaft eines Abends im Wasgau erinnern. Nach einer wunderbaren Kammwanderung hatten wir in einer alten, halbverfallenen Burg haltgemacht. Wir schlugen ein Zelt auf, brannten ein großes Feuer an. Der Mond lugte zwischen den verfallenen Fenstern durch und goß sein Licht über die weite elsässische Ebene, auf die wir von unserem Felsensitze herabsahen. In den Fenstern saßen wir. Lange hatten wir gesessen, nur Lotzes Zupfgeige ließ ab und zu einen kräftigen Akkord hören. Da trat Ricke ans Feuer und sprach den Anfang von Faust: "Die Sonne tönt nach alter Weise – im Brudersphären-Wettgesang" bis zu dem Bekenntnis Fausts zur Erde in der Osternacht. Er sprach wundervoll, und lange wirkten die Verse nach, bis Schulze ans Feuer trat und das Kampflied sang: "Ich habe Lust, in weitem Feld – zu streiten mit dem Feind." Perdelwitz und ich saßen oben am Turm und schauten hinunter ins Tal. Perdelwitz ist jetzt wieder in den Vogesen und hält die Wacht fürs Elsässer Land. Schulze liegt mit schwerer Wunde im Lazarett, Ricke liegt in Polen begraben und Lotzes Grab steht bei Nieuport. Und ich gehöre zu der Yser-Wacht im flachen Flandern.


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