Feldpost: Karl Aldag

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg


    Karl Aldag, stud. phil., Marburg,

    geb. 26. Januar 1889 in Obernkirchen,
    gef. 15. Januar 1915 bei Fromelles.

    Zwischen Lille und La Bassée, 10. Januar 1915.

    Schlamm und Wasser füllen den Schützengraben, Wasser von unten und Regen von oben. Tag und Nacht wird geschanzt, Erde geschaufelt, Wasser geschöpft und gepumpt. Und dabei die Fruchtlosigkeit, daß alles vergeblich ist! Das Wasser bleibt. Und immer weiter fällt Regen in schweren Schauern. Dabei eine das ganze Gemüt bedrückende Nachtdunkelheit, weil jedes Licht verraten würde! Unglaublich düster diese Stimmung, wenn in dem Regen die Dämmerung undurchdringlich einfällt!

    Ich kann gestehen, daß oft Ekel mich ergreift gegen das Leben in diesem Schlamm und Dreck und das unausgesetzte, naßkalte, vergebliche Arbeiter. Es sind Strapazen, die kein Mensch im Frieden für eine zivile Sache ertragen würde. Nur das macht mich ruhig, zu fühlen, wie mit den Anforderungen die Kräfte wachsen. Eine Geduld und Ausdauer fühle ich in mir, wie ich sie nie kannte und für möglich hielt. Und herrlich ist es, wie gut sich die Leute dareinfinden, wie keinen die Müdigkeit und Verzweiflung überwindet, wenn auch der Unterstand eingefallen ist und Nächte hindurch an einem neuen gearbeitet werden muß. Freudig ist es, zu sehen, wie religiös die Grundstimmung ist, wie – wenn man die Religion als Mittelglied ansieht – die Scheu und Ehrfurcht vor Stillem zu fühlen ist. Frivolitäten kommen kaum mehr vor. Alles wird neu erlebt. Köstlich diese tragisch-späte, ungeschickte Reife und Stille! [...]


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    Briefe gefallener Studenten

    November 1914.

    ... Seit acht Tagen im Schützengraben, einer Ruine, in der bei Regenwetter das Wasser rauscht und alles von Lehm und Dreck starrt und die auch Schutz gegen das furchtbare Granatfeuer gewähren soll. Kleine Menschenarbeit gegen gewaltige Kräfte ... (Fritz Meese)

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