Feldpost: Karl Josenhans

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg


    Karl Josenhans, stud. theol., Tübingen,

    geb. 4. Oktober 1892 in Leonberg,
    gef. 29. Januar 1915 in den Argonnen.

    Schloß Hindenburg, 9. November 1914.

    Wir kamen in die neuerstürmte Stellung, und da lagen vor und hinter dem Graben noch einige Tote. Ich selbst habe zwei Franzosen und drei Deutsche beerdigen lassen, und die Briefschaften abgenommen. Da findet man die Briefe von zu Hause; einem katholischen Landwehrmann schrieb seine Mutter alle möglichen Gebete, die besonders wirksam seien, sie hofft bestimmt auf das Wiedersehen. Und dann viele französische Briefe. Da heißt es in dem Brief einer Frau am Schluß immer wieder: "Petit-Petit est toujour bien sage." Einem andern schrieb seine Schwester, daß sie ihm zwei Pfund Schokolade schicke. Außerdem will sie ihm Handschuhe schicken, die den Regen nicht so anziehen, auch noch eine Kapuze gegen den Regen. Alles, wie bei uns, und wenn man das liest, vergeht einem der letzte Funken von Haß gegen die Franzosen, falls ein solcher überhaupt noch da sein sollte. ...

    Ein Mordinstrument, das wir voraushaben, sind die großen Minenwerfer. Da werden große Granaten etwa 400 Meter weit in die Luft geschleudert und fallen dann fast senkrecht nieder. Ich habe dieses Mal ihre Wirkung genau betrachten können. Äste und Erde wurden haushoch in die Luft geschleudert, und, obwohl die Minen 80 Meter vor uns niederfielen, zitterte bei uns der Boden. Während dieser Explosion habe ich mittels eines Wallspiegels in den Laufgraben der Franzosen hineingesehen und beobachtet, wie die geängstigten Leute im Laufschritt nach hinten durchgingen. Aber es stand offenbar hinten jemand mit der Pistole, denn der eine wie der andere kroch wieder vor. Menschenjagd ist dieser Krieg, und das gehört zum Gemeinsten. Da kann ich froh sein, daß wir nicht schuld sind an diesem Kriege; denn auch so erfaßt einen hie und da der Ekel, aber das muß ich sagen: der Anblick der Toten selbst mit den schrecklichsten Wunden hat mir gar nichts ausgemacht. Es wird einem beim Anblick dieser traurigen Reste klar, wie wenig dieser Erdenkörper mit der unsterblichen Seele zu tun hat, und hier draußen hält man sich auch viel weniger auf mit dem Leib als im Frieden der Heimat. ...


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    Briefe gefallener Studenten

    November 1914.

    ... Seit acht Tagen im Schützengraben, einer Ruine, in der bei Regenwetter das Wasser rauscht und alles von Lehm und Dreck starrt und die auch Schutz gegen das furchtbare Granatfeuer gewähren soll. Kleine Menschenarbeit gegen gewaltige Kräfte ... (Fritz Meese)

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