Feldpost: Karl Schenkel

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg


    Karl Schenkel, cand. theol., Marburg,

    geb. 18. Juni 1892 in Murr,
    gef. 5. Mai 1917 bei Douai.

    Arrasfront, 20. April 1917

    Ihr wißt, daß die Lage hier alles eher war als rosig, da wir kamen. 8 Kilometer war der Engländer durchgestoßen in einem Zug. Vor uns lag ein dünner Infanterieschleier und die Engländer dort, wo unsere schweren Geschütze waren. Hinter unserem Abschnitt als einziges, was gerettet war, 5 schwere Haubitzen ohne Munition und wenige Feldkanonen. So griffen wir ein. Der Gegner mit Tanks und Kavallerie und dicken Haufen Infanterie. Wir ganz auf unsere Gewehre und Maschinengewehre angewiesen. Aber vom ersten Augenblick an völlige Ruhe. "Wenn sie Kerle wären, Deutsche, wären sie längst durch." Das war der allgemeine Eindruck. Mit einer Ruhe und Sicherheit, die bloß deutsch ist, kamen Tag und Nacht die Verstärkungen. Nach 2-3 Tagen hatten wir eine Artilleriemasse beisammen, daß den Engländern kein Angriff mehr gelang. Wunderbarerweise war die Stimmung auch bei starkem Feuer und wo es Verluste gab, durchaus sicher und getrost. Das ist für Euch daheim ein tiefer Grund der herzlichen Dankbarkeit nicht gegen uns – wir tun unsere Pflicht und machen unsere Stimmung nicht selber – , aber gegen Gott. Ihr wißt, daß die nächste Zeit von uns Ströme von Blut fordern wird, fordern muß. Wer um so Hohes streitet, der muß alles daransetzen. Wer weiß, wie bald auch uns selber oder einem Lieben die letzte Stunde schlägt. Was dann? Ich bitte Euch herzlich um das eine: sorgt Euch nicht um mich. In uns ist das Lebensgefühl nie so stark gewesen wie jetzt. Und wenn einmal von uns das letzte Opfer gefordert wird, dann lasset alles unnötige Klagen und Zusammenbrechen, denn der Krieg ist für uns gerade in solchen Augenblicken eine Glaubensprobe. Traurig sein, ja, das können wir nicht anders machen, aber zweierlei können wir: für uns aus dem Schmerz einen Segen schaffen und – anderen ein Vorbild sein.


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