Feldpost: Lothar Dietz

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg


    Lothar Dietz, stud. phil., Leipzig,

    geb. 12. Dezember 1889 zu Pegau (Sa.),
    gef. 15. April 1915 bei Ypern.

    November 1914. Unterstand im Schützengraben auf Höhe 59; 3 km südöstlich von Ypern.

    Ihr in der Heimat könnt Euch nicht die geringste Vorstellung davon machen, was es für uns bedeutet, wenn in der Zeitung schlicht und einfach zu lesen ist: "In Flandern fanden heute wieder nur Artilleriekämpfe statt!" Tausendmal lieber vorgehen in verwegenem Angriff, koste es, was es wolle, als das tagelange Ausharren im Granatfeuer, wo man immer nur wartet, ob denn die nicht kommt, die einen verstümmelt oder zerschmettert. Rechts von mir stöhnt seit drei Stunden im Unterstand ein Unteroffizier, dem eine Granate beide Beine und einen Arm zerschmetterte. Den steilen Abhang des Laufgrabens ist er in der Zeltbahn nicht zu transportieren, und der andere Verbindungsgraben nach rückwärts ist ersoffen. So ist guter Rat teuer. Wer schwer verwundet ist, geht auf dem Transport aus dieser Stellung meist zugrunde. [.. ] Auf 60 m liegen wir den Engländern gegenüber [...] Hier oben haben wir einen halbwegs passierbaren Graben, weil wir alles Wasser nach dem tiefergelegenen englischen Graben ableiten. Aber unsere linken Nachbarn, die 143er, müssen Tag und Nacht zwei elektrische Pumpen in Betrieb erhalten, sonst können sie sich vor Nässe nicht retten.

    600 m hinter unserer Stellung haben wir unsere Bereitschaftsstellung. Ein kleines Waldtal, in dem furchtbare Nahkämpfe getobt haben. Baum und Strauch sind von Granaten zerfetzt, mit Gewehrkugeln gespickt. Überall liegen in den Wasserlöchern noch die Leichen, von denen wir schon viele begraben haben. Zahllose Blindgänger von Granaten jeden Kalibers haben sich in den Waldboden eingewühlt. Französische Ausrüstungsstücke sind in Masse zu finden. In den einen Abhang der Schlucht haben wir unsere Unterstände eingebaut: Erdhöhlen, gedielt, mit Dachpappe überdeckt und kleinen Öfen versehen, die allerdings zum Erwärmen des Raumes nicht ausreichen, wohl aber zum Erwärmen von Speisen, ja auch zum Kochen nützlich sind. [...]


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    Briefe gefallener Studenten

    November 1914.

    ... Seit acht Tagen im Schützengraben, einer Ruine, in der bei Regenwetter das Wasser rauscht und alles von Lehm und Dreck starrt und die auch Schutz gegen das furchtbare Granatfeuer gewähren soll. Kleine Menschenarbeit gegen gewaltige Kräfte ... (Fritz Meese)

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