Feldpost: Otto Heinebach

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg


    Otto Heinebach, stud. phil., Berlin,

    geb. 14. August 1892,
    gest. 14. September 1916 zu Frankfurt im Lazarett, verwundet vor Douaumont.

    Vor Verdun, Freitag, den 18. Februar 1916, abends [am Vorabend seiner tödlichen Verwundung].

    Im Sanitätsunterstand, wo wir für einen Tag in Reserve liegen, herrscht eine erstickende Hitze. Der Raum ist gestopft von Menschen; draußen Regen wie immer. Vorhin kam die Nachricht, daß der Angriff weiter um 24 Stunden verschoben, und bald darauf die Parole, daß er nunmehr auf den 20. festgesetzt sei. Das scheint definitiv zu sein, trotzdem keine Aussicht auf eine Besserung des Wetters besteht. Übrigens soll es mit Tornister gehen, unter Zurücklassung alles Entbehrlichen. – Ich nehme Abschied von Euch, Ihr geliebten Eltern und Bruder, aus tiefstem, übervollem Herzen; Dank, innigen Dank für alles, was Ihr an mir getan. – Sollte ich bleiben, so tragt es, ich bitte Euch herzlich, mit Fassung; – bedenkt, daß ich doch wohl nie zu einem vollen Glück und Zufriedenheit gelangt wäre, vielleicht wäre bis zum Ende ein klaffender Riß durch mein Leben hindurchgegangen [...]. Und auch von Dir nehme ich heute Abschied, geliebter Freund, mein Friedel [...]. – Wir hätten noch schöne köstliche Jahre miteinander genießen können, vielleicht müssen wir darauf verzichten. [...] Das intellektuelle Gewissen bleibe auch künftig Deine und unsere Scham. Lebt wohl. Ihr wißt und kennt die, die meinem Herzen nahegestanden, und Ihr werdet auch ihnen meine Abschiedsgrüße sagen. – Und so lösche ich denn mein Dasein aus in Gedanken am Vorabend der furchtbaren Schlacht und denke mein Selbst hinweg aus dem teuren Kreise, dem es als geliebtes Glied angehören durfte. [...]


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