Feldpost: Paul Boelicke

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg


    Paul Boelicke, stud. theol., Berlin,

    geb. 17. März 1898 in Bukarest,
    gef. 12. Oktober 1918 im Walde von Sivry vor Verdun.

    16. März 1918, vor Verdun.

    Es ist der letzte Abend meines zwanzigstens Lebensjahres. Ich nehme heut einen doppelten Abschied: nicht nur von meinem alten Lebensjahr, auch von dem Teil des französischen Landes, der eine so große Rolle in meinem Leben gespielt hat: von Verdun.

    Verdun, ein furchtbares Wort! Unzählige Menschen, jung und hoffnungsvoll, haben hier ihr Leben lassen müssen – ihre Gebeine verwesen nun irgendwo, zwischen Stellungen, in Massengräbern, auf Friedhöfen. Kommt der Soldat morgens aus seinem Granatloch (viele sind ganz voll Wasser), so sieht er im hellen Sonnenschein die Türme des Douaumont- oder eines anderen Forts, die ihre Augen drohend ins Trichterland richten. Ein Schütteln packt ihn, wenn er seine Blicke rundum schickt: hier hat der Tod seine Knochensaat ausgesät. Die Front wankt, heute hat der Feind die Höhe, morgen wir, irgendwo ist hier immer verzweifelter Kampf. Mancher, der sich eben noch der warmen Sonne freute, hört es schon irgendwo aufbrüllen und heulend herankommen. Dahin sind alle Träume von Frieden und Heimat, der Mensch wird zum Wurm und sucht sich das tiefste Loch. Trommelfeuer – Schlachtfelder, auf denen nichts zu sehen ist als erstickender Qualm – Gas – Erdklumpen – Fetzen in der Luft, die wild durcheinander wirbeln: das ist Verdun!


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    November 1914.

    ... Seit acht Tagen im Schützengraben, einer Ruine, in der bei Regenwetter das Wasser rauscht und alles von Lehm und Dreck starrt und die auch Schutz gegen das furchtbare Granatfeuer gewähren soll. Kleine Menschenarbeit gegen gewaltige Kräfte ... (Fritz Meese)

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