Feldpost: Paul Brüdern

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg


    Paul Brüdern, stud. med., Kiel,

    geb. 26. Januar 1890 zu Hannover,
    gef. 3. Oktober 1914 in Waelhem.

    Penthy, Dienstag, 22. September 1914.

    ... Mittags wieder im Graben. Überall Artilleriegefecht. ½ 3 Uhr als Freiwillige Patrouille gegen den Feind. Mit vier Mann los. Begegnen einem Unteroffizier mit zwei Mann. Der sagt: "Es ist nicht vorzukommen; wir sind von Maschinengewehren und Infanterie beschossen." Trotzdem natürlich weiter. Indianer gespielt, an feindliche Stellung herangepirscht, daß ich sie sprechen hörte, ihre Offiziere spazieren gehen sah und beobachtete, wie Wachen abgelöst wurden. Mit vorläufiger Meldung zwei Mann zurückgeschickt, die gut durchkommen. Wir beobachten weiter. Plötzlich erhalten wir Feuer und nehmen volle Deckung. Dann geht's sprungweise vor. Ich voran, einer folgt mir, einer zog es vor, liegenzubleiben in Deckung. An dem Tage habe ich zum ersten Male Angst kennengelernt. Drei Maschinengewehre sandten uns drei Leuten einen Hagel von Geschossen zu, sechs Kanonen schossen mit Granaten und Schrapnells auf uns. Und da waren wir nicht einige von vielen, sondern wir allein waren das Ziel. Ich wollte auch liegenbleiben, aber die Meldung mußte durch, also immer wieder weiter! Sobald ich mich aufrichtete, krachten die sechs Geschütze und knatterten die Maschinengewehre. Schon lag man wieder auf dem Bauch. Bei einer größeren Schlacht sind die Nerven durch die stundenlange Kanonade so abgestumpft, daß man sich der ungeheuren Größe der Gefahr gar nicht voll bewußt wird, aber hier ist man mit vollem Bewußtsein und ruhiger Überlegung im Schnellfeuer von anderthalb Batterien leichter Artillerie und einem Zug Maschinengewehren. Dazu gehört straffe Selbstdisziplin, da festzustehen auf Mensur ohne Wimperzucken. Dabei habe ich mir, ungesehen von irgendeinem Vorgesetzten, das Eiserne Kreuz vor mir selbst verdient.


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    November 1914.

    ... Seit acht Tagen im Schützengraben, einer Ruine, in der bei Regenwetter das Wasser rauscht und alles von Lehm und Dreck starrt und die auch Schutz gegen das furchtbare Granatfeuer gewähren soll. Kleine Menschenarbeit gegen gewaltige Kräfte ... (Fritz Meese)

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