Feldpost: Peter Frenzel

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg


    Peter Frenzel, stud. iur., Berlin,

    geb. 11. Mai 1982 in Rössel (Ostpr.),
    gef. 13. August 1915 bei Luniew.

    Als wir von Kielce aus auf dem Wege zur Front waren, da kam es mir vor, als ob mit der Bahn die Welt aufhörte und weit vor mir der Krieg lag, aber bis dorthin alles leer. – Immer wieder dasselbe Bild. Schlichte Holzkreuze an den Wegen und zerschossene, noch immer schwelende Wohnstätten. Ganz merkwürdig wiederkehrend der tragische Akzent dabei: Nur der einsam ragende Schornstein mit dem Herd, wie ein trauriger, verlassener Gesell, der auf die heimkehrenden Lieben wartet. Und jeden Abend noch ein zweites, das sich wiederholt: die abziehenden Russen stecken Dörfer und besonders Brücken in Brand. Und nach Sonnenuntergang leuchtet an drei, vier Stellen der Himmel auf und merkwürdige Wolkengebilde huschen am Himmel entlang. So sah ich neulich eine Jungfrau aus dem Rauche aufsteigen, die bittend die Arme hebt zur sinkenden Sonne. Ein andermal sah ich ein Stück aus einem altfranzösischen Gobelin, ein fliehendes Ehepaar mit einem jauchzenden Kind. Merkwürdig, alles Gefühl schläft hier draußen, nur meine Phantasie lebt und ist wilder als je zuvor, und die Sehnsucht nach der Heimat, nach Frieden, nach ruhiger, stiller Arbeit und reifem Lebensgenuß wachsen andauernd.


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