Frauenbewegung

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    politisches und soziales Engagement von Frauen für ihre Gleichberechtigung in Gesellschaft und Staat und Emanzipation unabhängig von männlichen Wertmaßstäben.

    Die Anfänge

    Die Frauenbewegung entstand im Rahmen der allgemeinen Emanzipationstendenzen des 19. Jh.s mit dem Ziel der kulturellen, rechtlichen, sozialen und politischen Gleichberechtigung der Frau. Markstein der Frauenbewegung war die Französische Revolution, in deren Rahmen Olympe de Gouges 1792 die "Erklärung der Frauenrechte" verfasste (Gründung des "Cercle social", der die politische Gleichberechtigung der Geschlechter mit aktivem und passivem Wahlrecht und Zulassung zu den öffentlichen Ämtern forderte). Überragende Vorkämpfer der fraulichen Staatsbürgerrechte waren außerdem John Stuart Mill, Mary Wollstonecraft und George Sand. In Deutschland sind die Frauen der Romantik (Bettina von Arnim) sowie Luise Otto-Peters, Helene Lange, Gertrud Bäumer u.a. zu nennen.

    Die Zulassung zu den Hochschulen

    Seit den 1840er Jahren Forderung nach Zulassung zu den Hochschulen, nach beruflicher Gleichberechtigung, beruflicher Fortbildung und freier Berufswahl. Während Frauen in Italien und z.T. auch in Spanien seit der Renaissance studieren konnten, öffneten sich die Universitäten der übrigen Kulturländer den Frauen nur sehr zögerlich (als eines der letzten europäischen Länder auch Deutschland 1908).

    Der Kampf um das Wahlrecht in den USA und Europa

    Die Frauenbewegung trat schon früh der Ausbeutung der weiblichen Arbeitskraft in Fabriken und durch Heimarbeit entgegen, andere Gruppen forderten Zuerkennung der vollen Staatsbürgerrechte, v.a. des Frauenstimmrechts. In einigen nordamerikanischen Staaten bestand das Wahlrecht schon vor 1787, ohne jedoch in der Bundesverfassung verankert zu sein. Seit 1840 gab es in den USA eine starke Bewegung für das Frauenstimmrecht (Vorkämpferinnen: Lucretia Mott, Elis. Cady Stanton, Susan B. Anthony); 1869 gewährte der Staat Wyoming, dann Colorado, Idaho und Utah den Frauen das Recht zu wählen. Allgemeines Wahlrecht aber existiert in den USA erst seit 1919.

    In England gab es ebenfalls organisierte Wahlrechtsbewegung (Wahlrecht auf der Isle of Man seit 1880), seit 1903 auch kämpferische Aktionen der Frauenrechtlerinnen (Suffragetten). Die allgemeine Wahlgleichberechtigung konnte in England jedoch erst nach 1918 durchgesetzt werden, in Neuseeland 1893, in Australien 1902, in Finnland 1906, in Norwegen 1907, in Island 1913, in Dänemark 1915, in Russland 1918, in Deutschland 1919 (Vorkämpferinnen Minna Cauer und Anita Augspurg), in anderen Ländern (z.B. Frankreich) z.T. erst nach dem Zweiten Weltkrieg und in den 1960er/70er Jahren.

    Nationale und übernationale Frauenorganisationen

    Nationale Frauenorganisationen bestanden seit dem 19. Jh. in vielen Ländern, darunter der 1865 gegründete "Allgemeine Deutsche Frauenverein", der weitere Frauenbünde 1894 zum "Bund deutscher Frauenvereine" zusammenschloss. 1888 wurde der Internationale Frauenrat ("Mütter des Völkerbundes") gegründet, außerdem entstanden Friedensorganisationen, Berufs- und Interessenorganisationen, religiöse und weltanschauliche Verbände, Mütter- und Kinderschutzbünde. In Deutschland erfolgte 1945 der Zusammenschluss der Frauenverbände im Deutschen Frauenrat. Seit Mitte der 1960er Jahre fanden organisierte Formen der Frauenemanzipation eine breite Basis. 1966 kam es zur Gründung der "National Organisation for Women" in den USA mit starken publizistischen Tätigkeiten und radikalen Manifesten, z.B. von der Bewegung "Women's Lib". In der Bundesrepublik Deutschlands entwickelten sich aus der Studentenbewegung neue linke Frauengruppen, engagiert v.a. im Kampf gegen den § 218 (Verbot des Schwangerschaftsabbruchs). Prominenteste deutsche Frauenrechtlerin ist seit den 1970er Jahren Alice Schwarzer. Seit den 90er Jahren liegt der Schwerpunkt der Aktivitäten außerdem auf der Errichtung von Frauen-Netzwerken zum allgemeinen Informationsaustausch unter den Mitgliedern.


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