Friedrich Naumann

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    deutscher Theologe und Politiker; * 25. März 1860 in Störmthal bei Leipzig , † 24. August 1919 bei Travemünde

    Friedrich Naumann

    Theologiestudium; 1881 Mitgründung des national ausgerichteten Vereins deutscher Studenten; ab 1886 Pfarrer in Langenberg im Erzgebirge; ab 1890 Vereinsgeistlicher der Inneren Mission, Einsatz für Erneuerung des Protestantismus; 1896 Gründung des Nationalsozialen Vereins für Demokratisierung, Sozialpolitik und Imperialismus, Rücktritt von seiner Pfarrstelle; 1902 Konzeption eines "Industrieparlamentarismus" mit freien Gewerkschaften; 1903 Eintritt in die Freisinnige Partei, Forderung nach Aufhebung des preußischen Dreiklassenwahlrechts; 1907 Mitbegründer des Deutschen Werkbunds. Zwischen 1907 und 1918 hatte Naumann ein Reichstagsmandat inne und unterstützte die Bildung der linksliberalen Sammelpartei FVP (Fortschrittliche Volkspartei), die mit der SPD kooperieren sollte.

    Bei Kriegsausbruch fand die Politik der deutschen Regierung die Anerkennung Naumanns; er wendete sich lediglich gegen die Anschlusspropaganda. 1915 wurde Naumanns Buch "Mitteleuropa" publiziert, das eine bereits deutliche mildere Haltung vertrat und eine Modifikation der Kriegsziele und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Russland und dem Balkan forderte. Naumann setzte sich 1917 im Reichstag entschieden für einen Verständigungsfrieden ein. Auf seine Initiative geht die Gründung der Staatsbürgerschule in Berlin und im folgenden Jahr der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) zurück. 1919 erhielt der Politiker ein DDP-Mandat in der Weimarer Nationalversammlung.


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