Gräuelpropaganda

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    Bezeichnung für bewusste Falschmeldungen über Verbrechen des Gegners im Krieg. Im Prinzip schon immer ein Mittel der psychologischen Kriegführung, wurde Gräuelpropaganda im Ersten Weltkrieg insbesondere auf alliierter Seite so massiert eingesetzt, dass die Glaubwürdigkeit erheblich litt und damit die beabsichtigte Wirkung ausblieb oder gar in das Gegenteil umschlug, wenn offenkundige Lügen entlarvt wurden. Bekannteste Beispiele waren die Behauptung, deutsche Soldaten hätten - auf ausdrückliche und detaillierte Anweisung Kaiser Wilhelms II. - belgischen Kindern die Hände abgehackt, sie vergewaltigt und gefoltert, oder z. B. die Meldung des "Daily Telegraph" vom März 16, Österreicher hätten 700 000 Serben vergast (sic!). Diese Gräuelpropaganda sollte sich im Zweiten Weltkrieg als beste Tarnung der SS für den Völkermord der Endlösung erweisen. Noch im Sommer 44 weigerten sich höchste alliierte Stellen (u. a. J. Pehle, Direktor des US-Kriegskomitees für Flüchtlinge) mit Hinweis auf die Gräuelpropaganda, Meldungen über Gaskammern in Ausschwitz zu glauben. Verzweifelte Zeugen wie Gerstein stießen auf eine Mauer des Unglaubens, die durch die Ungeheuerlichkeit der Berichte nur stabiler wurde; deutsche Dementis waren wesentlich erfolgreicher. Die verhängnisvollen Folgen der Gräuelpropaganda sind bis in die neonazistische Szene zu spüren (Auschwitzlüge).


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