Große Schlacht in Frankreich

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    (1917/18)

    Nach dem Ausscheiden Russlands aus dem Krieg beschloss die OHL Anfang November 1917, durch eine Offensive gegen das britische Heer im Frühjahr 1918 den "Siegfrieden" herbeizuführen. Die Vorbereitungen der Offensive (Deckname "Sankt Michael") leitete der Erste Generalquartiermeister in der OHL, General Erich Ludendorff (1865-1937). Sie sollte erfolgen, bevor die Masse der amerikanischen Armee in Frankreich gefechtsbereit war. Nach dem ursprünglichen Plan der OHL hatte die 17. und die 2. Armee (Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht) eine zweite Angriffsoperation (Deckname "Sankt Georg") in Flandern für den Fall vorbereitet, dass "Michael" scheiterte. In der Folgezeit wurden deren Ziele bedeutend erweitert. Ludendorff wollte nach gelungenem Durchbruch auch das französische Heer angreifen. Obwohl die militärische Führung auch Zweifel am Gelingen der Offensive hegte, war sie dennoch bereit, alles auf eine Karte zu setzen.

    Die "Michael"-Operation begann im Morgengrauen des 21.3. mit einer mehrstündigen, sehr massierten Artillerievorbereitung (3,2 Millionen Schuss, davon ein Drittel Granaten mit chemischem Kampfstoff) auf etwa 75 km Breite zwischen Arras und La Fère. Ein neues Schießverfahren (es ermöglichte den Verzicht auf das Einschießen der Artillerie), Kräfteüberlegenheit in den Hauptrichtungen u. a. bewirkten, dass der Gegner zumeist überrascht wurde. Teilen der 2. Armee und der 18. Armee gelang es, in den ersten drei Tagen bis zu 20 km vorzudringen und den taktischen Durchbruch zu erreichen. Die OHL überschätzte die Anfangserfolge und erweiterte mit ihren Weisungen vom 23. und 26.3. die Operationsziele bedeutend. Die 17. Armee sollte auf Saint-Pol, die 2. Armee auf Amiens und die 18. Armee auf Noyon sowie über die Aisne vorstoßen. Das Schwergewicht der Operation wurde immer mehr auf die 18. Armee verlegt, die am weitesten vordrang und Noyon sowie Montdidier (27.3.) eroberte. Damit aber lief die Operation strahlenförmig auseinander und verlor rasch ihre Wucht. Ludendorff beabsichtigte, mit dem Vorstoß der deutschen Truppen beiderseits der Somme über Amiens bis an das Meer die britisch-französische Front auseinander zu reißen. Angesichts dieser Gefahr kam es am 26.3. zur Bildung eines alliierten Oberkommandos in Frankreich unter dem französischen General Ferdinand Foch (1851-1929), das wirksamere Abwehrmaßnehmen treffen konnte. Am 27.3. scheiterten die Angriffe der 17. Armee gegen die britische Front bei Arras und wurden vorerst eingestellt. Seit dem Einsatz der französischen Reserven kamen auch die Angriffe der 2. und der 18. Armee zum Stehen (30.3.). Am 5.4. musste die "Michael"-Operation, Beginn und Höhepunkt der Offensive, endgültig eingestellt werden. Ihr Scheitern wurzelte vor allem in den unzureichenden Kräften und Mitteln und dem zu geringen Angriffstempo. Die Gegner konnten deshalb die taktischen Durchbrüche immer wieder abriegeln. Der etwa 80 km breite und bis zu 60 km tiefe Frontvorsprung verschlechterte die Lage der deutschen Truppen nur. Ihre Gesamtverluste betrugen rund 240 000 Mann, die gegnerischen 220 000 Mann.

    Die OHL und das Oberkommando der Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht hofften nun, auch mit einer verkleinerten "Georg-Operation" (Deckname "Georgette") das geschwächte britische Heer entscheidend schlagen zu können. Zwei Armeen mit zahlreichen schwachen Stellungsdivisionen sollten über den flandrischen Höhenrücken zur Kanalküste vorstoßen. Die Operation begann am 9.4. nach sehr starker Artillerievorbereitung mit der 6. Armee auf etwa 29 km Breite zwischen Warneton und La Bassée. Nördlich davon griff die 4. Armee an (seit 10.4.). Die deutschen Truppen konnten Armentières (11.4.) und den Kemmelberg (25.4.) erobern sowie den Frontbogen bei Ypern besetzen, insgesamt aber nur bis zu 20 km vordringen. Am 29.4. musste die Operation abgebrochen werden. Damit war die große deutsche Frühjahrsoffensive, die den Siegfrieden bringen sollte, zusammengebrochen.

    Die OHL überschätzte die Verluste und Schwierigkeiten der Alliierten. Sie spekulierte darauf, die britisch-französische Front durch weitere Angriffe so zu schwächen, dass sie schließlich zusammenbrach. Den Abschluss sollte eine entscheidende Operation in Flandern gegen das britische Heer (Deckname "Hagen") bilden. Zunächst plante die OHL eine überraschende Operation gegen die französische Front zwischen Montdidier und Reims, um die alliierten Reserven aus Flandern wegzuziehen. Der Mangel an gefechtsbereiten Kräften und Mitteln erforderte sowohl eine mehrwöchige Pause als auch die Durchführung der Operation in zwei Teilen. Die Zeit arbeitete jedoch für die Alliierten. Von März bis Juli 1918 stieg z. B. die Stärke der amerikanischen Armee in Frankreich von 329 000 auf über eine Million Mann, wenngleich vorerst nur einige Divisionen gefechtsbereit waren. Der erste und Hauptteil der Operation gegen das französische Heer (Decknamen Blücher und Goerz) begann am 27.5. mit der 7. Armee und dem rechten Flügel der 1. Armee auf etwa 55 km Breite vom Chemin des Dames bis Reims. Um die tiefgegliederte französische Verteidigung rasch zu durchbrechen, wurde eine der bisher stärksten Massierungen an Artillerie geschaffen (bis 110 Geschütze je Kilometer). Durch die gewaltige Artillerievorbereitung (Drei Millionen Schuss, davon 50 % Gasgranaten), die geglückte Überraschung und die Kräfteüberlegenheit gelang es, den Chemin des Dames, die Aisne und die Vesle zu überschreiten und Soissons (29.5.) zu erobern. Daraufhin erweiterte die OHL die Operationsziele für die 7. Armee bis Compiègne und zur Marne, die am 30.5. stellenweise überschritten wurde, und für die 1. Armee bis Reims. Die französischen Truppen hielten jedoch die Eckpfeiler ihrer Front, den Wald von Villers-Cotterêts und Reims, so dass die deutschen Verbände in dem bis zu 60 km tiefen, sackartigen Frontvorsprung in eine gefährliche Lage gerieten. Am 4.6. kamen die Angriffe zum Stehen. Der zweite Teil der Operation (Deckname "Gneisenau") begann am 9.6. mit der 18. Armee auf etwa 34 km Breite zwischen Montdidier und Noyon (Noyon-Montdidier-Offensive). Nach geringen Anfangserfolgen stießen die deutschen Truppen am 12.6. auf starke französische Gegenangriffe. Am 14.6. musste die Operation eingestellt werden. Es war nicht gelungen, die alliierten Reserven aus Flandern wegzuziehen.

    Die OHL hielt jedoch an ihrem strategischen Vabanquespiel fest. Das erneute Überschreiten der Marne und die Beschießung der französischen Hauptstadt mit dem so genannten Paris-Geschütz wurden als Zeichen des bevorstehenden Endsiegs ausgegeben. Ende Juni erwog man in der OHL einen Angriff auf Paris. Die geplante nächste Operation gegen die französische Front (Deckname "Marneschutz-Reims") hatte zunächst das Ziel, Reims zu erobern und die Marne mit starken Kräften auf breiter Front zu überschreiten. Der Gegner wusste von den deutschen Angriffsvorbereitungen und räumte seine vorderste Stellung. Dadurch blieb die gewaltige deutsche Artillerievorbereitung (4,5 Millionen Schuss) am 15.7. fast wirkungslos. Die auf etwa 100 km Breite vorgetragenen Angriffe der 7., 1. und 3. Armee brachen schon am 16.7. zusammen. Tags darauf musste die OHL den Rückzug der deutschen Truppen einleiten. Am 18.7. begann unter Einsatz starker Panzerkräfte die französische Gegenoffensive aus dem Wald von Villers-Cotterêts heraus. Sie traf die OHL völlig unerwartet und warf die deutschen Truppen weit zurück. Damit ging die strategische Initiative im Westen endgültig an die Alliierten über.


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