Handgranate

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    Obwohl vor dem Ersten Weltkrieg die Wirksamkeit der Handgranate als Nahkampfwaffe bewiesen war, wurde sie bei dessen Beginn nur zögernd eingesetzt. Ihre Anfertigung erfolgte zunächst provisorisch an der Front. Mit dem Übergang zum Stellungskrieg gewann die Handgranate verstärkt an Bedeutung; ihre fabrikmäßige Produktion begann. Im Verlauf des Kriegs bildeten sich zwei Grundtypen dieser Waffe heraus: Handgranaten für den Angriff (geringer Splitterradius) und für die Verteidigung (großer Splitterradius). Außerdem wurden chemische Handgranaten (Brand-, Nebel-, Rauch- und Kampfstoff-Handgranaten) entwickelt.

    Der Form nach unterschied man Stiel-, Kugel- (Eier-) und Diskus-Handgranaten. Im kaiserlich-deutschen Heer kamen vor allem Stiel-Handgranaten zum Einsatz. Sie bestanden aus einem dünnwandigen Stahlbleichtopf mit einer 300 g schweren Sprengladung und aus einem durchbohrten Holzstiel, der den Brennzünder mit Abreißvorrichtung aufnahm. Der Splitterradius betrug zehn bis fünfzehn m, die Zündverzögerung 5,5 sec. Daneben wurden auch Kugel- und Diskus-Handgranaten verwendet. Erstere besaßen einen stark geriffelten gusseisernen Mantel. Ihre Sprengladung betrug 750 g, die Splitterwirkung reichte bis ungefähr 100 m. Bei den Diskus-Handgranaten bestand der Granatkörper aus Eisenblech. Ihre Wirkungsparameter ähnelten der Stiel-Handgranate, jedoch besaßen sie einen Aufschlagzünder. Insgesamt produzierte die deutsch Rüstungsindustrie 1914-18 etwa 300 Millionen Handgranaten.


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