Heldentod

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    Die grausame Realität in den Schützengräben des Stellungskriegs und die blutigen Materialschlachten des Ersten Weltkrieges hätten ohne die Propaganda der Reichsregierung vom "süßen und ehrenvollen Heldentod fürs Vaterland" rasch zu um sich greifenden Meutereien unter den Soldaten geführt. Mit diesem Begriff wurde die Wahrheit - die menschenunwürdigen Lebensumstände in den Gräben, das tausendfache sinnlose Sterben an den verschlammten Frontlinien, die anonymen Massenbestattungen - überdeckt und glorifiziert.

    Der deutsche Soldat setzte sein Leben für das Wohl und die Sicherheit von "Kaiser und Vaterland" ein und wurde in seinem ersten Schlachtfeldeinsatz zum Mann. Wo es möglich war, wurden hinter der Front Friedhöfe für die "gefallenen Helden" angelegt. Oft genug aber waren die in Stücke zerrissenen Leichen nicht mehr identifizierbar und ebenso wenig aus dem ständigen Artilleriefeuer zu entfernen, sodass sie in Minenkratern notdürftig mit Erde bedeckt wurden. Neue Einschläge brachten die Leichen wieder an die Oberfläche; tote und kämpfende Soldaten lagen daher oft genug nebeneinander in den Schützengräben.

    Von diesen Umständen erfuhren die in der Heimat Zurückgebliebenen normalerweise nichts (außer in den Frontbriefen der Soldaten). Sie erhielten lediglich malerisch verklärte Gedenkkarten und die Benachrichtigung des Kompanieführers ohne Angabe der genauen Todesursache. So hatte der Mythos vom Heldentod an der "Heimatfront" weit länger Bestand als draußen in der blutigen Realität der Schlacht.


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