Hindenburg-Programm

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    Unter dem Eindruck der Materialschlachten von Verdun und an der Somme entwarf die OHL unter Hindenburg und Ludendorff einen Plan zur totalen Mobilisierung der noch vorhandenen wirtschaftlichen und personellen Reserven. Ausgangspunkt des Hindenburg-Programms war ein Schreiben Hindenburgs an den preußischen Kriegsminister vom 31.8.1916. Darin forderte die OHL, bis zum Frühjahr 1917 die monatliche Produktion von Artillerie-Munition, Pulver und Minenwerfern zu verdoppeln und die Herstellung von Geschützen und Maschinengewehren zu verdreifachen. Darüber hinaus verlangte sie eine bedeutende Steigerung der Produktion von Flugzeugen sowie von Handwerkszeug und Baumaterial für den Stellungsbau. Durch den Einsatz von mehr Kampfmitteln sollte zugleich der Mangel an Soldaten kompensiert werden. Mitte September 1916 forderte die OHL eine radikale Einschränkung der zivilen Produktion, die Erweiterung der Wehr- bzw. Landsturmpflicht, den Fronteinsatz aller Kriegsverwendungsfähigen und die Arbeitsdienstpflicht für alle nicht zum Wehrdienst eingezogenen Männer zwischen 17 und 60 Jahren (Gesetz über den Vaterländischen Hilfsdienst vom 2.12.1916). Die Konzentration der Produktion, der Bau neuer Werke und eine straffere Zentralisierung der Kriegswirtschaftsorganisation sollten ebenfalls die Durchführung des Hindenburg-Programms ermöglichen.

    Das Hindenburg-Programm sollte die Voraussetzungen für die Abwehr der Entente-Offensive 1917 und für die spätere Offensive des deutschen Heers zur Erringung des Siegfriedens schaffen. Seine Durchführung stieß jedoch auf große Schwierigkeiten. Die geplanten Steigerungsraten wurden bis Frühjahr 1917 nicht erreicht. Im Winter 1916/17 sank sogar die Produktion auf wichtigen Gebieten, vor allem infolge der Transportkrise. Trotz erheblichen Mangels an Arbeitskräften stieg die Produktion in vielen Zweigen bis zum Sommer 1918 dennoch bedeutend an, so dass die umfassende Umstellung auf die Kriegsproduktion weitgehend erreicht wurde.


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