Kerenski-Offensive

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    (1.-19.7.1917)

    Durch die Alliierten unter Druck gesetzt, stimmten Kerenski und die russische Provisorische Regierung trotz der zunehmenden Auflösungserscheinungen in der russischen Armee einer neuen Großoffensive an der Ostfront zu. Unter Verwendung der zuverlässigsten Truppen seines Befehlsbereichs plante General Brussilow einen in zwei Spitzen aufgeteilten Angriff.

    Der zentrale Ausfall fand am 1.7.1917 gegen die österreichisch-ungarische Südarmee (General von Bothmer) bei Brody statt. Die 31 Divisionen der russischen 11. und 7. Armee konnten bei ihrem Vorstoß gegen Lemberg am ersten Tag große Fortschritte erzielen. Die geringe Truppenmoral der Russen und die gute Versorgungslage auf deutscher Seite brachten den Vormarsch jedoch rasch zum Stillstand. Auch die österreichische 7. Armee am linken Flügel der Südarmee konnte die russischen Truppen aufhalten. Weiter südlich waren die Russen zu Beginn der Offensive deutlich im Vorteil, nachdem es der 8. Armee (Kornilow) gelungen war, mit ihrem Angriff von Stanislau aus die verteidigende 3. österreichische Armee zu überraschen. General Kornilow konnte auf einer 96-km-Front mehr als 30 km vorstoßen und war bald in Sichtweite der Ölfelder von Drohobicz. Auch hier hielten die schlechte Moral der russischen Truppen und die großen Reserven der Deutschen den Angriff schließlich auf.

    Mit Unterstützung der kurzfristig von der Westfront bereitgestellten Verstärkung starteten die Deutschen am 19.7. eine konzentrierte Gegenoffensive westlich von Brody. Einem massiven siebenstündigen Artilleriebombardement folgte ein Angriff der Infanterie, der die russischen Linien durchbrach und sich dann nach Südosten wandte. Am ersten Tag wurden 16 km Gebietsgewinn erzielt. Die russische Front konnte mit wenig Widerstand aufgerollt werden, da viele Soldaten ihre Waffen fallen ließen und vom Schlachtfeld flüchteten. Ein zweiwöchiger Rückzug begann, während dem alle Gebietsgewinne Kerenskis wieder verloren gingen und die Mittelmächte schließlich bis über die Ausgangsposition der Russen hinaus vorrückten.

    Die letzte Schlacht der Offensive fand am 22.7. in Rumänien statt, als die russischen und rumänischen Truppen zwischen Foscani und den Karpaten auf einer 100-km-Front angriffen. Nach anfänglichen Erfolgen wurden sie durch die Gegenoffensive Mackensens am 6.8. zurückgeschlagen. Dennoch waren die deutschen Truppen zahlenmäßig nicht stark genug, um einen Sieg zu erringen; ein Grabenkrieg begann und brachte die letzte russische Offensive des Ersten Weltkriegs zu einem unrühmlichen Ende.


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