Kohlrübenwinter

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    Schlange stehen vor der "Speisenausgabestelle"

    Die sich als falsch erweisenden Pläne eines raschen Kriegsgewinns, die alle Handelswege zu den Kolonien abschneidende britische Seeblockade, der Abzug von Arbeitskräften und Zugtieren an die Front und die Preislage im Deutschen Reich, aufgrund derer die Produzenten Kartoffeln und Getreide teilweise lieber zur Viehfütterung verwendeten als verkauften, führten dazu, dass während der vier Kriegsjahre über eine Dreiviertelmillion Menschen verhungerte.

    Die 1915 befohlene Rationierung der vorhandenen Lebensmittel stellte noch eine ausreichende Grundversorgung der deutschen Bevölkerung sicher. Da der Krieg jedoch andauerte und aufgrund Düngemittelmangels die Ernten stetig schlechter ausfielen, musste auch die Rationierung verschärft werden, bis Erwachsene nur noch knapp die Hälfte ihres täglichen Erhaltungsbedarfs an Kalorien zur Verfügung hatten. Da im Winter 1916/17 nur die Hälfte der sonst verfügbaren Kartoffeln geerntet werden konnten, mussten sie durch anderes Gemüse - Kohl- und Steckrüben - ersetzt werden, deren ausgegebene Mengen für den Lebenserhalt ebenfalls nicht reichten. Die Situation verschärfte sich auch im folgenden Sommer weiter, sodass an der Heimatfront eine ausgeprägte Kriegsmüdigkeit aufkam. Nur die "Kriegsgewinnler" konnten durch den Schwarzmarkthandel mit Lebensmitteln - die vor allem in den Großstädten rar waren - große Gewinne erzielen.


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    November 1914.

    ... Seit acht Tagen im Schützengraben, einer Ruine, in der bei Regenwetter das Wasser rauscht und alles von Lehm und Dreck starrt und die auch Schutz gegen das furchtbare Granatfeuer gewähren soll. Kleine Menschenarbeit gegen gewaltige Kräfte ... (Fritz Meese)

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