Kriegsende

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    Friedensbemühungen während der Kriegsjahre

    Thomas Woodrow Wilson, 28. Präsident der USA

    Die Friedensanregungen, die Wilson vor der Sommeschlacht der Entente gegeben hatte, waren von dieser zunächst abgelehnt worden. Auch die Friedensdeklaration des Deutschen Reichs vom 12.12.1916 wurde abgewiesen, da sie deutlich einen deutschen Sieg voraussetzte. Erst die Note Wilsons vom 20.12., in der er alle Mächte aufforderte, ihm ihre Friedensbedingungen zur Vermittlung zu eröffnen, schien Verhandlungen zu ermöglichen, nachdem die Alliierten ihr auf der Konferenz von Rom formuliertes Programm (Räumung aller besetzten Gebiete, Reparationen, Rückgabe von Elsass-Lothringen und Befreiung der italienischen, slawischen, rumänischen und tschechischen Bevölkerung von Österreich-Ungarn) mitgeteilt hatten. Da Deutschland sich nicht zu einer rechtzeitigen Erklärung seiner Kriegsziele entschließen konnte und auf direkten Verhandlungen bestand, erschien es vor der Welt als der grundsätzlich friedenshindernde Teil.

    Kaiser Karl als König von Ungarn
    Papst Benedikt XV.

    Bei allen Bemühungen um diplomatische Verhandlungen über einen Friedensschluss stand das wachsende Vertrauen der Alliierten auf den Sieg den bisher deutschen Erfolgen gegenüber. Während die deutsche politische Führung die Notwendigkeit, auf Annexionen zu verzichten (Belgien, Polen, Baltikum, Erzgebiete von Briey und Longwy), bereits erkannte, glaubte die OHL immer noch, darauf bestehen zu sollen. Die Alliierten suchten 1917 vor allem die deutschen Verbündeten durch Sonderfriedensschlüsse von Deutschland abzuspalten; besondere Bedeutung hatten hierfür die Versuche Kaiser Karls. Der einzig ernsthaft auf Vermittlung bedachte Friedensschritt war der Vorschlag des Papsts Benedikt XV. (1.8.1917), dessen Unparteilichkeit so groß war, dass beide Parteien sich benachteiligt glaubten.

    Dass Deutschland keine weiteren Versuche machte, war für die innenpolitische Spannung ungünstig, weil es den Anschein erweckte, als ob die deutsche Regierung keine Verständigung suchte. Die Friedensschlüsse mit Russland und Rumänien waren aber reine Diktate, die zeigten, wozu ein von der OHL beherrschtes Deutschland in der Lage war. Dagegen schienen die von Wilson verkündeten Vierzehn Punkte die Grundlage für einen wirklichen Frieden zu bieten und erfüllten die allgemeine Friedenssehnsucht, wenn sie auch in Deutschland fälschlicherweise als reine Propaganda empfunden wurden, die das deutsche Volk kriegsunwillig machen sollten.

    Friedensschlüsse und Kriegsbilanz

    Die Beendigung des Kriegs brachten die Verträge von Versailles (mit dem Deutschen Reich, 28.6.19), St. Germain (mit Österreich, 10.9.19), Trianon (mit Ungarn, 4.6.1920), Neuilly (mit Bulgarien, 27.11.19) und Sèvres (mit der Türkei, 10.8.20).

    Insgesamt waren in der Welt über 71 Millionen Menschen mobilisiert, davon fast 32 Millionen auf Seiten der Mittelmächte. Die Zahl der Toten betrug rund zehn Millionen (davon Deutsches Reich: 1,81 Millionen), die der Verwundeten über 20 Millionen (Deutsches Reich: 4,25 Millionen), die der Gefangenen über sechs Millionen (Deutsches Reich: 772 000). Die Kriegskosten aller beteiligten Staaten betrugen 956 Milliarden Goldmark. Davon fielen auf das Deutsche Reich 194, auf Großbritannien und das Empire 208, auf Frankreich 134, auf die Vereinigten Staaten 129, auf Russland 106, auf Österreich-Ungarn 99 und auf Italien 63 Milliarden Goldmark.


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