Kriegsmüdigkeit

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    Im Frühjahr 1918 in Nieppe bei Armentières einige Tage nach der Besetzung. Um der bereits jahrelangen Entbehrung von Milch zu entgehen, behelfen sich Soldaten und ihre Einheiten mit Ziegen, Milchkühen und wirtschaftlichen Geräten.

    Die Materialschlachten an der Somme und bei Verdun, die ständige Lebensbedrohung, aber auch die geringen Erfolge führten zu einer baldigen Desillusionierung der deutschen Soldaten, die auf ein rasches Kriegsende gehofft hatten. Vor allem im dritten Kriegsjahr brach sich die Kriegsmüdigkeit auch in den französischen und britischen Armeen Bahn in zahlreichen Meutereien. Jede Art des Widerstands gegen die militärischen Autoritäten und ihren Einsatzbefehl barg jedoch hohe Risiken: In fast allen Armeen wurde "Landesverrat" mit Exekution geahndet. Zahlreiche Soldaten umgingen das Disziplinarstrafrecht, indem sie sich bei Gefechten ohne intensiven Widerstand vom Feind gefangen nehmen ließen. Nach dem Misserfolg der Frühjahrsoffensive von 1918 verweigerten ganze Einheiten den Befehl.

    Auch an der Heimatfront entstand eine massive Kriegsmüdigkeit, die durch den zunehmenden Versorgungsmangel, lange Schlangen vor Lebensmittelgeschäften bei geringster Auswahl und die harte Arbeit in den Rüstungsfabriken geschürt wurde. Die Friedenssehnsucht führte zu Streiks im Frühling und Sommer 1917 und sogar zu Friedensdemonstrationen.


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