Kriegsmarine

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    Das Geschwader der deutschen Hochseeflotte auf dem Weg zum Skagerrak

    Während des Ersten Weltkriegs ergaben sich Aufgaben, Rolle und Möglichkeiten der Kriegsmarine wesentlich aus dem allgemeinen Kräfteverhältnis sowie aus der Entwicklung der Gesamtkriegslage, die hauptsächlich auf den Landkriegsschauplätzen entschieden wurde. Mit dem Scheitern des Blitzkriegs zu Lande und der wachsenden Kriegsdauer gewann der Kampf auf den überseeischen Zufuhrwegen an Bedeutung, trat die enge Verbindung von See- und Wirtschaftskrieg zutage. Dabei konnte sich der Hauptgegner zur See, Großbritannien, auf ein Übergewicht an Kriegsschiffen von etwa 3:2 und weitaus günstigere militärgeografische Bedingungen stützen. Das Kräfteverhältnis, bei Großkampfschiffen (Linienschiffen) anfangs 21 britische gegen fümf deutsche, veränderte sich im Verlauf des Kriegs noch mehr zugunsten Großbritanniens. Die deutsche Hochseeflotte war in der Nordsee praktisch lahm gelegt. Versuche, durch gelegentlich Flottenvorstöße einen Kräfteausgleich herbeizuführen und die britische Flotte weitab von deren Stützpunkten zur Entscheidungsschlacht zu veranlassen, misslangen. Letztere konnte ihre Hauptaufgabe, die eigenen Seeverbindungen zu sichern und die deutschen zu blockieren, durch eine Blockade auch in der Defensive erfüllen. Spätestens in der Seeschlacht am Skagerrak 1916 offenbarte sich der begrenzte Wert der deutschen Kriegsmarine. Auch der das Seekriegsgeschehen zunehmend bestimmende U-Boot-Krieg zwang Großbritannien nicht in die Knie, beschleunigte vielmehr den Kriegseintritt der USA. Die Wirkung des Kreuzerkriegs in den ausländischen Gewässern blieb aus Mangel an Stützpunkten und geeigneten Schiffen beschränkt. In der Ostsee wurden die Kampfhandlungen mit geringeren Kräften geführt. Dabei erlitt die Kriegsmarine vor allem durch Minen, später auch durch U-Boote Verluste.

    Während des Kriegs kam keine wirkliche Abstimmung zwischen Oberster Heeresleitung (OHL) und Marineführung zustande. Der operative Einsatz der Flotte selbst litt unter den komplizierten Befehls- und Kommandoverhältnissen in der Kriegsmarine. Erst im August 1918 wurde eine oberste Seekriegsleitung gebildet, an deren Spitze der Chef des Admiralstabs stand. Auch in der Baupolitik setzte sich lange Zeit keine klare Konzeption zugunsten bestimmter Schiffsklassen durch, jedoch zwang der Kriegsverlauf zur ständigen Ergänzung und Vergrößerung der U-Boot-Flotte, aber auch der für Geleit-, Vorposten- sowie Minensuch- und -räumdienste einsetzbaren Kräfte. Von 1914 bis 1918 stellte die Kriegsmarine bei den wichtigsten Schiffsklassen neu in Dienst: sieben Großkampfschiffe (fünf Linienschiffe; zwei Schlachtkreuzer), zwölf Kleine Kreuzer, 193 Torpedoboote, davon 108 Hochseeboote, und 293 U-Boote. In der selben Zeit verlor sie u. a. ein Linienschiff, einen Schlachtkreuzer, sechs Große bzw. Panzerkreuzer, 17 Kleine Kreuzer, 105 Torpedoboote (davon 36 Hochseeboote) sowie 34 833 Offiziere und Mannschaften.

    Gemäß den Waffenstillstandsbedingungen vom 11.11.1918 musste Deutschland alle U-Boote an die Entente ausliefern. Der größte Teil der Überwasserstreitkräfte, darunter fast alle modernen Einheiten, wurden in der Bucht von Scapa Flow interniert, wo sie sich im Einverständnis mit den obersten Marinebehörden am 21.6.1919 selbst versenkten. Der Rest wurde bis auf eine kleinere Zahl älterer Schiffseinheiten den Siegermächten als Kriegsbeute übergeben.


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