Kriegsschuldfrage

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    eines der brennendsten politischen Themen in der Weimarer Republik. Durch Unterschrift unter den Versailler Vertrag hatte das Deutsche Reich, wenngleich nur unter Protest und massivem Druck (alliierte "Mantelnote" vom 16.6.19), die deutsche Alleinschuld am Ausbruch des Ersten Weltkriegs anerkannt. Aus ihr leiteten die Siegermächte nach Artikel 231 des Friedensvertrags das Recht auf deutsche Reparationen und auf wehrpolitische Restriktionen ab. Die einseitige Schuldzuweisung wurde nicht nur wegen der wirtschaftlichen Konsequenzen, sondern auch wegen der moralischen Deklassierung von der deutschen Bevölkerung mehrheitlich als Kriegsschuldlüge empfunden. Die Weimarer Regierungen mühten sich immer wieder um Revision der Verurteilung Deutschlands: Im Auswärtigen Amt wurde 1919 ein Kriegsschuldreferat eingerichtet; es finanzierte die "Zentralstelle zur Erforschung der Kriegsursachen", die wiederum eine Zeitschrift "Die Kriegsschuldfrage" herausgab (ab 1927 "Berliner Monatshefte"). Ein Erfolg aber blieb aus, weil an der Kriegsschuldfrage das gesamte Versailler System hing. Sie lieferte denn auch den Rechtsparteien, allen voran den Nationalsozialisten, wirkungsvolle Munition für den Kampf gegen "die Fesseln des Schanddiktats" und damit gegen die Republik. Hitler verwahrte sich gleich bei der Reichstagseröffnung am 21.3.33 (Tag von Potsdam) gegen die Versailler Schuldklausel, mit deren Bekämpfung er seine Revisionspolitik begründete. Am 30.1.37 zog er die deutsche Unterschrift unter den Versailler Vertrag förmlich zurück.

    Heute wird die Kriegsschuldfrage für 1914 differenzierter beantwortet: Zwar verneinen die Historiker im Allgemeinen eine deutsche Alleinschuld, gehen aber von einem deutlich höheren deutschen Schuldanteil aus als die Apologeten der 1920er und 30er Jahre. Eine Kriegsschuldfrage für den Zweiten Weltkrieg stellt sich so nicht, da die auslösenden Momente unübersehbar in der aggressiven Außen- und "Lebensraum"-Politik der Nationalsozialisten liegen.


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