Kriegsziele

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    Zunächst standen die Kriegsziele der deutschen Reichsregierung nicht zur öffentlichen Diskussion; man wollte die Bevölkerung wie den Reichstag nicht durch Streitigkeiten über die Legitimität dieser Ziele entzweien. Einzelne Bewegungen und Verbände formulierten jedoch schon früh ihre scharf umrissenen Ziele. Vorreiter der nationalistischen Organisationen war der Alldeutsche Verband, der eine deutsche Großmachtpolitik und die Annexion großer europäischer und kolonialer Gebiete forderte. Nie zur Diskussion stand jedoch die Annahme eines deutschen Siegs. Die Pläne des Deutschen Reichs umfassten folgende Gebietszugewinne: Elsass-Lothringen sollte aufgrund der reichhaltigen Rohstoffvorkommen annektiert werden; Belgien sollte in Abhängigkeit weiterexistieren, wobei die flandrischen Gebiete dem Deutschen Reich angeschlossen werden würden; im Osten sollten polnische Landwirtschaftsregionen übernommen werden. Die Regelungen bezüglich anderer östlich gelegener Staaten wären der Absprache mit der k. u. k.-Monarchie unterworfen gewesen. Nach den Erfolgen an der Ostfront wurden die durchzusetzenden Gebietsansprüche erneut erhöht; lediglich die Lösung eines Verhandlungsfriedens (wie ihn die Sozialdemokraten vertraten) sah keinerlei Annexionen vor.

    Doch auch die Alliierten hatten bestimmte Vorstellungen von der Aufteilung Europas nach dem Krieg. England forderte lediglich die Zerstörung der Deutschen Hochseeflotte und die deutschen Kolonien, wollte Deutschland in seinen Grenzen auf dem europäischen Festland jedoch nicht antasten. Frankreich forderte die Annexion des gesamten Elsass-Lothringen sowie des Saargebiets und die Aufsplitterung der k. u. k.-Monarchie in Kleinstaaten. In den USA formulierte Wilson die Kriegsziele in seinen Vierzehn Punkten; in Territorialfragen bezogen sich diese im Großen und Ganzen auf die Wiederherstellung der Vorkriegsgrenzen, die Wiederherstellung Belgiens, Serbiens, Montenegros und Rumäniens, die Schaffung eines polnischen Nationalstaats, eine Grenzziehung zwischen Österreich und Italien entlang der Sprachgrenze, "die autonome Entwicklung der Völker Österreich-Ungarns" und "Lösung der nichttürkischen Völker aus dem Osmanischen Reich". Die Kriegsziele der alliierten Staaten wurden mit dem Versailler Vertrag größtenteils realisiert.


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