Langemarck-Mythos

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    Artilleriebeobachter mit Scherenfernrohr an der Straße nach Langemark
    Ruine der Kirche von Langemarck in Belgisch-Flandern

    Nördlich von Ypern, bei der flandrischen Ortschaft Langemarck, kam es am 10.11.1914 während der Ersten Flandernschlacht zu extrem blutigen Gefechten zwischen dem britischen Expeditionskorps und dem unzureichend ausgerüsteten und ausgebildeten deutschen 27. Reservekorps. Die deutschen Verluste des sinn- und erfolglosen Durchbruchversuchs beliefen sich an diesem Tag auf 2000 Mann. Die OHL bemühte sich umgehend, die vernichtende Niederlage propagandistisch umzuformulieren. Der befohlene Vormarsch wurde so zu einem heldenhaften Vorstoß junger Soldaten, die sich für die Gefangennahme zahlreicher feindlicher Soldaten opferten. Rasch verbreitete sich dieser Mythos in der Bevölkerung, die eine besondere Ehrung der Gefallenen als Vertreter des "deutschen Heldentums" forderte. Die Bewunderung der angeblichen selbstlosen Opferung der Soldaten lebte auch nach Kriegsende weiter: Gedenktafeln und -statuen wurden enthüllt, Zeremonien durchgeführt; die Nationalsozialisten bemühten sich erfolgreich, den Mythos für die Gewinnung junger Anhänger zu instrumentalisieren.


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    Briefe gefallener Studenten

    November 1914.

    ... Seit acht Tagen im Schützengraben, einer Ruine, in der bei Regenwetter das Wasser rauscht und alles von Lehm und Dreck starrt und die auch Schutz gegen das furchtbare Granatfeuer gewähren soll. Kleine Menschenarbeit gegen gewaltige Kräfte ... (Fritz Meese)

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