Luftschiff

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs verfügte das deutsche Heer über neun Zeppelin-, ein halbstarres, ein Parseval- und ein Schütte-Lanz-Luftschiff, die Marine über ein Zeppelin-Luftschiff. Für Einsatz und Wartung waren beim Heer fünf Luftschifferbataillone, bei der Marine eine Luftschifferabteilung vorhanden. Die Luftschiffe sollten vor allem Fernaufklärung, aber auch Bombenabwürfe gegen wichtige Objekte im Hinterland des Gegners durchführen.

    Die Kriegsverwendung des Luftschiffs erfüllte nicht die in diese Waffe gesetzten Erwartungen. Seine beträchtliche Größe und leichte Brennbarkeit, die relativ geringe Geschwindigkeit und Steigfähigkeit machten das Luftschiff bei Tage zu einem leichten Ziel für artilleristische und sogar infanteristische Waffen, vor allem aber - trotz eigener MG-Armierung - zur Beute der ihm an Geschwindigkeit und Manövrierfähigkeit sehr überlegenen Flugzeuge. Bereits im Herbst 1914 wurden daher die Heeres-Luftschiffe nur noch nachts eingesetzt. Im Verlauf des Kriegs steigerten sich Größe und Leistung der in Deutschland gebauten Luftschiffe beträchtlich. Heeres-Luftschiffe flogen weiterhin vereinzelte Angriffe auf Objekte im Hinterland der Ententemächte. Sie brachten jedoch bei steigenden Verlusten wenig Erfolg. Anfang 1917 wurde daher der Luftschiffeinstatz im Bereich des Heers stark eingeschränkt und im Sommer 1917 faktisch eingestellt. Die verbliebenen Heeres-Luftschiffe wurden der Marine übergeben oder abgerüstet.

    Die Marine-Luftschiffe waren seit Kriegsbeginn vor allem zur Aufklärung über See eingesetzt, wobei sie teilweise mit den Seestreitkräften unmittelbar zusammenwirkten. Ab Januar 1915 führten die Marine-Luftschiffe mit Nachtangriffen einen Fernluftkrieg gegen die Britischen Inseln, vor allem gegen London. Er wurde wegen der zunehmenden Abwehr im November 1916 eingestellt, mit verbesserten Luftschiffen ab Frühjahr 1917 jedoch in vermindertem Umfang wiederaufgenommen.

    Insgesamt wurden bei Heer und Marine bis 1918 123 Luftschiffe in Dienst gestellt. Davon gingen 79 durch Feindeinwirkung bzw. durch Unfälle verloren, elf mussten an die Entente abgeliefert werden, der Rest wurde abgewrackt bzw. bei Kriegsende in Deutschland zerstört.


    Bildergalerie: Schlacht um Verdun

    > Weitere Galerien

    Briefe gefallener Studenten

    November 1914.

    ... Seit acht Tagen im Schützengraben, einer Ruine, in der bei Regenwetter das Wasser rauscht und alles von Lehm und Dreck starrt und die auch Schutz gegen das furchtbare Granatfeuer gewähren soll. Kleine Menschenarbeit gegen gewaltige Kräfte ... (Fritz Meese)

    > Weitere Briefe