Lys-Offensive

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    (9.-29.4.1918)

    Nach dem Ende der Offensive an der Somme wandte sich Ludendorff mit seinem zweiten großen Angriff des Jahres 1918 gegen die britische Front in Flandern. Sie war nur dünn besetzt durch die 1. und 2. Armee, die durch den Fluss Lys getrennt wurden. Ludendorffs direktes Ziel war das Eisenbahnzentrum von Hazebrouck, um nach dessen erfolgreicher Einnahme eventuell an die Küste vorzustoßen. Die Offensive, der ein schweres, 36-stündiges Artillerie-Bombardement vorausgegangen war, begann am frühen Morgen des 9.4. Die 6. Armee unter dem Kommando von General Ferdinand von Quast rückte westlich von Neuve Chapelle entlang einer 19-km-Front vom La Bassée-Kanal nach Armentières vor. Dieses Gebiet wurde durch den linken Flügel der 1. Armee gehalten, deren zwei portugiesischen Armeen den Angriffsstoß abfangen mussten; sie wurden beinahe sechs km zurückgedrängt. Am nächsten Tag wurde die Schlacht nach Norden ausgedehnt, als vier Divisionen der deutschen 4. Armee jenseits von Armentières am Ypern-Comines-Kanal angriffen. Plumers 2. Armee wurde schließlich bis hinter Messine und Wytschaete - von den Briten ein Jahr zuvor eingenommen - zurückgeworfen.

    Am 12.4. waren die Deutschen, die eine 45 km breite Bresche geschlagen hatten, nur noch knapp acht km von Hazebrouck, ihrem unmittelbaren Ziel, entfernt. Die drohende Niederlage der reservelosen Briten schien unabwendbar. Haig, der um sofortige französische Verstärkung bat, gab seinen berühmten Tagesbefehl aus: Es dürfe kein Zögern geben. Mit dem Rücken zur Wand und mit dem Glauben an die Gerechtigkeit ihrer Sache müsse jeder Soldat bis zum Ende kämpfen.

    Plumer wurde der Befehl über die gesamte bedrohte Front übertragen, eine seiner ersten Taten war der Truppenrückzug auf leichter zu verteidigende Stellungen vor Ypern. Am 18.4. wurde der deutsche Vorstoß bei Meteren und am Fuße des Kemmel zum Halten gebracht. Ursache dafür war unter anderem die schwache und zögerliche Führung durch Ludendorff. Die Operation hatte einen deutlich größeren Umfang als ursprünglich geplant und der General zeigte sich zu zurückhaltend in der Bereitstellung zusätzlicher Truppen, obwohl schließlich 44 deutsche Divisionen involviert waren.

    Ludendorff wandte seine Aufmerksamkeit daraufhin nach Norden und griff am 17. April die belgischen Truppen bei Ypern an; dies blieb jedoch ebenso erfolglos wie die weiteren Angriffe auf der gesamten Linie am folgenden Tag. Während einer Kampfpause traf die massive französische Verstärkung an der Front ein. Nach einem Ablenkungsschlag bei Villers-Bretonneux in der Nähe von Amiens wurde die deutsche Offensive mit einem Vorstoß auf den Berg Kemmel fortgesetzt, der von den neuen französischen Truppen am 25.4. aufgegeben werden musste. Die weiteren Operationen wurden am 29.4. beendet, als Ludendorffs Versuch einer Übernahme des restlichen Flandern fehlschlug.

    Die zweite deutsche Offensive von 1918 endete mit einem Vorstoß von bis zu 16 km und dem Gewinn eines ungünstig vorspringenden Frontverlaufs. Keine der strategischen Zielsetzungen war erreicht worden und die Kanalhäfen verblieben fest in alliierter Hand. Die Deutschen hatten seit dem Beginn der Offensive Ludendorffs am 21.3.1918 rund 350 000 Mann, die Alliierten etwa 305 000, vor allem britische, Soldaten verloren.


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