Materialschlacht

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    auch: Zermürbungskrieg;

    Aufgrund der Entwicklung neuer Geschütze, die innerhalb kürzester Zeit wieder schussbereit waren, und neuer Infanteriewaffen wie dem Maschinengewehr 08/15 entstanden im Ersten Weltkrieg wie nie zuvor Schwierigkeiten in der Beschaffung des notwendigen Nachschubs. Sie erforderten die vollständige Umstellung der Volkswirtschaften auf die Kriegsproduktion. Ein Beispiel für die unglaublichen Munitionsmengen, die benötigt wurden, stellt die Schlacht um Verdun vom 21.2.1916 dar: 1500 Geschütze feuerten acht Stunden lang ununterbrochen auf die feindlichen Stellungen. Die Schlacht von Arras war sogar durch ein fünf Tage dauerndes Bombardement vorbereitet worden, zu dem jedoch weniger Geschütze aufgefahren worden waren. Verschärfend wirkten auf den Materialverbrauch neben dem Einsatz schnell feuernder Gewehre und Geschütze auch die langen Graben- und Stellungskämpfe. So gering der strategische Nutzen und die Erfolgsaussichten für beide Seiten auch waren, hoffte man doch immer wieder auf Zermürbungserscheinungen durch Dauerbeschuss.

    Die andere Seite der Materialschlacht stellen die extremen Verlustraten beider Seiten dar; es wurde nicht nur an Munition, sondern auch am Einsatz von Soldaten-"material" nicht gespart. Bei Offensiven auf befestigte Stellungen des Feindes stieg die Zahl der Gefallenen rasch in die Hunderttausende. Häufig kamen die Soldaten nicht nur direkt durch den gegnerischen Beschuss um; der massive Einsatz von Granaten, Minen und Bomben verwandelte die Kampffelder in unebene, verschlammte Gebiete mit wassergefüllten, aufgegebenen Stellungsgräben, in denen zahlreiche Soldaten erstickten bzw. ertranken (so bei der Schlacht bei Passchendaele) oder an sich ausbreitenden Krankheiten verstarben. Verdun stellt auch in dieser Hinsicht einen traurigen Rekord dar: Insgesamt verloren 400 000 Soldaten ihr Leben, rund doppelt so viele wurden verletzt. Die Gesamtbilanz des Ersten Weltkriegs, der ersten Materialschlacht dieses Ausmaßes in der Geschichte: Zehn Millionen Gefallene, doppelt so viele Verwundete und ein finanzieller Aufwand von knapp 1000 Milliarden Goldmark.


    Bildergalerie: Ostfront

    > Weitere Galerien

    Briefe gefallener Studenten

    November 1914.

    ... Seit acht Tagen im Schützengraben, einer Ruine, in der bei Regenwetter das Wasser rauscht und alles von Lehm und Dreck starrt und die auch Schutz gegen das furchtbare Granatfeuer gewähren soll. Kleine Menschenarbeit gegen gewaltige Kräfte ... (Fritz Meese)

    > Weitere Briefe