Meutereien

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    Landesübliche Maßnahme des Erhängens wegen Verrat am Vaterland und an der Armee. Grundlage hier war das Kriegsgesetz der österreichisch-ungarischen Kriegsjustiz.

    Der Sechs-Tage-Aufstand in Etaples - ein Stützpunkt hinter der Kampflinie in Flandern - im September 1917 und andere vereinzelte Unruhen in einiger Entfernung zur Front waren der Höhepunkt der britischen Erfahrung mit Meutereien während des Ersten Weltkriegs. Patriotismus und eine strenge Disziplin, die für Vergehen wie Fahnenflucht und Feigheit vor dem Feind die Exekution vorsah, bewirkten, dass die meisten britischen Soldaten die Schrecken des Grabenkriegs ertrugen und weiterhin Befehlsgehorsam zeigten.

    Der lange Zermürbungskrieg an der Westfront hatte ganz andere Folgen für die französische Armee, die sich aufgrund von Meutereien im Mai und Juni 1917 beinahe auflöste. Über eine Million Mann und 54 Divisionen waren an der Revolte beteiligt, die "Desertion, Gehorsamsverweigerung, das Schwingen roter Fahnen, Rufe nach Frieden und die Drohung, auf Paris zu marschieren" beinhaltete. Die unerträgliche Anstrengung von Verdun, die die französische Armee über 500 000 Soldaten gekostet hatte, und der Fehlschlag der Nivelle-Offensive (April 1917), die als sicherer Durchbruch gehandelt worden war, schufen die Voraussetzungen für einen Aufstand, der durch die Aktivitäten der "Verräter an der Heimatfront" noch gefördert wurde. Der Ausbruch wurde möglicherweise auch durch die Februarrevolution in Russland beeinflusst.

    Pétain, der Nivelle als Oberbefehlshaber ersetzte, zeichnete verantwortlich für die Wiederherstellung der Ordnung und die Beilegung der unmittelbaren Unruhen im Heer. Etwa 23 000 Aufständische wurden verurteilt und davon 432 mit der Todesstrafe belegt, aber in nur 55 Fällen folgte tatsächlich eine standesrechtliche Exekution. Die frühere Leistungsfähigkeit der französischen Armee wurde zwar nur langsam wieder erreicht, war jedoch zum Zeitpunkt der deutschen Angriffe im Frühling 1918 fast wieder hergestellt. Während der letzten Monate des Jahres 1917 war die britische Armee gezwungen, die Hauptrolle an der Westfront zu übernehmen und konnte von Glück sprechen, dass die Deutschen das Ausmaß der Schwächung der alliierten Truppen nicht rechtzeitig entdeckten.

    Andere Meutereien während des Ersten Weltkriegs waren beispielsweise der Zusammenbruch der Disziplin bei italienischen Truppen an der Front, als sich die Niederlage gegen Österreich im Oktober 1917 deutlich abzeichnete, sowie die Unregelmäßigkeiten im deutschen Heer während der letzten Kriegsphasen. Unzufriedene Soldaten spielten auch bei den Ereignissen eine große Rolle, die in Russland letztendlich zur bolschewistischen Oktoberrevolution 1918 führten. Meuterei war zwischen 1914 und 1918 nicht auf die Landstreitkräfte beschränkt und verschiedene Seestreitkräfte, darunter die russische Marine bei Kronstadt und die österreichische Marine vor Cattaro, waren ebenfalls von Revolten betroffen. Die deutsche Hochseeflotte wurde durch Aufstände am ernsthaftesten unterminiert; größere Ausbrüche von Meuterei fanden sowohl 1917 als auch 1918 statt. Pläne einer finalen "Todesfahrt" gegen die britische Grand Fleet waren Auslöser der Unruhen, die auf den bei Kiel stationierten Schiffen am 29.10.1918 begannen (Matrosenaufstand). Die Meuterer, rund 40 000 Mann, gingen nach kurzer Zeit an Land und ihre Besetzung Kiels am 4.11. war der Beginn der deutschen Novemberrevolution. Die deutsche Regierung beschloss als Folge der Unruhen, den Krieg so rasch wie möglich zu beenden, um einen revolutionären Umsturz abzuwenden. Das Kriegsende brachte die aufrührerischen Tendenzen nicht sofort zum Abschluss: In Frankreich und England wurde massiv gegen die Unfähigkeit der militärischen Autoritäten, die Truppen schnell genug zu demobilisieren, protestiert.


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