Militärtransportwesen

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    Mit Beginn des ersten Weltkriegs übernahm der Chef der Eisenbahnabteilung die Funktion des Chefs des Feldeinsenbahnwesens, der für den gesamten Kriegseinsatz der Eisenbahn sowie für den Heerestransport auf den Wasserstraßen verantwortlich war. Ihm standen 1914 zur Verfügung: 13 zweigleisige Strecken in Richtung Westen, vier zweigleisige Strecken zwischen dem linken und rechten Flügel der Westfront, zwei zweigleisige Strecken in Ost- bzw. Südostrichtung sowie das entwickelte Eisenbahnnetz in Oberschlesien. Vom 31.7. bis 18.8.1914 wurden 20 800 Mobilmachungs- und 11 100 Kriegstransporte zum Aufmarsch von 3,12 Millionen Mann 860 000 Pferden und 5700 Geschützen gefahren.

    Die Eisenbahn erwies sich als strategisches Transportmittel einer modernen Massenarmee für Aufmarsch, Verlegung, Nachschub und für das operative Manöver mit den Truppen. Im Stellungskrieg fuhr sie Reserven und Nachschub teilweise direkt ins Frontgebiet und beeinflusste den Kampf unmittelbar. Eine maximale Nutzung wurde indes nicht erreicht. Im Bewegungskrieg 1914 ließ sich die Eisenbahn bald nicht schnell genug nachführen; die Entfernung zwischen den Eisenbahnendpunkten und der Front wuchs bis auf 125 km an. Die Zerstörungen an den Anlagen waren weit größer als erwartet. Im weiteren Kriegsverlauf konnte die Eisenbahn trotz erhöhter Leistungen ihre Transportaufgaben vor allem in den Materialschlachten nicht immer voll lösen. Das zahlenmäßige Anwachsen des Heers auf nahezu das Doppelte, seine wachsende Ausstattung mit technischen Mitteln und vor allem der riesige Verbrauch an Munition führten zu einer enormen Verstärkung des Eisenbahntransports. Zugleich dehnte sich das Streckennetz aus; im Frontgebiet entwickelten sich Förder- und Feldbahntransport. Zur Entlastung der Eisenbahn wurden ab 1916 verstärkt Wasserstraßen genutzt.

    Der Kfz-Transport unterlag bald nach Kriegsbeginn außerordentlichen Belastungen, die mit großem Verschleiß, hohen Ausfällen und Absinken der Nutzlast verbunden waren. Vor allem beeinträchtigten ihn aber Gummi- und Treibstoffmangel. Im Gegensatz zur Entente, die bei Verdun 1916 erstmals zum Kfz-Massentransport überging und in der Folgezeit die Kfz-Produktion rasch steigerte, musste im deutschen Heer bereits 1915 die Neuaufstellung von Kraftfahrtruppen eingeschränkt sowie Eisen- und Holzbereifung der Kfz eingeführt werden. Der Train entsprach trotz hoher spezifischer Leistung bei weitem nicht den Anforderungen und erlitt große Verluste.

    Der Seetransport beschränkte sich auf die teilweise Versorgung in Küstenrichtung handelnder Truppen sowie auf Truppenanlandungen im östlichen Ostseeraum. 1917 wurden erste Schritte unternommen, das Flugzeug für den Lufttransport zu nutzen.


    Bildergalerie: Schlacht um Verdun

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    Briefe gefallener Studenten

    November 1914.

    ... Seit acht Tagen im Schützengraben, einer Ruine, in der bei Regenwetter das Wasser rauscht und alles von Lehm und Dreck starrt und die auch Schutz gegen das furchtbare Granatfeuer gewähren soll. Kleine Menschenarbeit gegen gewaltige Kräfte ... (Fritz Meese)

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