Munition

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    Betrug im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 der Verbrauch an Artillerie-Munition im deutschen Heer 190 Granaten je Geschütz, so waren es im Russisch-Japanischen Krieg 1904/05 auf russischer Seite bereits 720 Granaten. In den Generalstäben wurden daher nach 1905 neue Berechnungen über den voraussichtlichen Munitionsbedarf in einem künftigen Krieg angestellt. Obgleich die Produktion von Munition daraufhin gesteigert wurde, entsprach sie zu Beginn des Ersten Weltkriegs speziell bei der Artillerie keineswegs den tatsächlichen Erfordernissen. Bereits im September 1914 trat ein allgemeiner Munitionsmangel ein. Seine Beseitigung wurde um so dringlicher, als beide Seiten zum Stellungskrieg übergingen, der eine weitere Steigerung des Munitionsverbrauchs mit sich brachte.

    Die Rüstungsindustrie der Krieg führenden Länder arbeitete fieberhaft daran, die Munitionsproduktion kurzfristig zu erhöhen. In Deutschland und Frankreich gelang das bei der Artillerie-Munition nur dadurch, dass man für die Feldartillerie leicht herzustellende, jedoch minderwertige Graugussgranaten mit einfachen Aufschlagzündern verwandte, die später durch Press- und Gussstahlgranaten abgelöst wurden. Dennoch konnte der Bedarf nicht voll gedeckt werden. Die vor 1914 angestrebte Vereinheitlichung der Munitionsausstattung ging im Krieg bald verloren. Neben Leucht-, Brand-, Nebel- und Panzergranaten entstanden Gasgranaten, die 1918 bei der deutschen Artillerie-Munition etwa 25 % ausmachten. Außerdem beschleunigte man die Entwicklung und Massenproduktion von Wurfgranaten, die in Aufbau und Wirkungsweise den Brisanzgranaten entsprachen und mit Granatwerfern verschossen wurden.

    Während des Ersten Weltkriegs stellte die deutsche Rüstungsindustrie über 200 verschiedene Artilleriegeschossarten her, von denen 1918 noch etwa 90 Verwendung fanden. Insgesamt wurden von den am Ersten Weltkrieg beteiligten Hauptmächten über eine Milliarde Granaten hergestellt.


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